Auf der Suche nach Energie ist Fracking "die falsche Antwort"

01.04.2014 | 12:37
Auf der Suche nach Energie ist Fracking "die falsche Antwort" Arbeiter auf Fracking-Anlage in den USA

Suche nach Alternativen

Die Energiewende ist ein beschwerlicher Weg. Das machen allein die vielen und langen Diskussionen in der Politik deutlich. Das Problem ist lange bekannt, Antworten lassen auf sich warten. Zu den bekannten grundsätzlichen Problemen – zum Beispiel die Tatsache, dass die Ressourcen auf unserem Planeten endlich sind – kommen aktuelle hinzu. Aufgrund der Krim-Krise wird das politische und wirtschaftliche Klima zwischen Deutschland und seinem wichtigen Gaslieferanten Russland kälter. Eine zu große Energieabhängigkeit von Russland kann sich Deutschland nicht leisten.

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Was also sind die Alternativen zu deutscher Atomenergie, russischem Gas, amerikanischem und arabischen Öl? Manch einer in Politik und Wirtschaft verweist auf große Schiefergasvorkommen in Deutschland. Im Grunde reizvoll, das Problem ist jedoch: Wie komme ich an das Zeug ran? Schiefergas zählt zu den unkonventionellen Erdgasen. Während konventionelles Erdgas in natürlichen Lagerstätten in konzentrierter Form vorkommt, ist Schiefergas ein Gas, das unter der Erde in Tonsteinen gespeichert ist. Bevor es gefördert werden kann muss es aus dem Gestein raus.

Ein Teil des Gases entweicht durch Risse im Gestein, der Großteil muss aber erst aus dem Gestein geholt werden, durch sogenanntes Hydraulic Fracturing, kurz 'Fracking'. 'To fracture' bedeutet im Deutschen 'aufbrechen' oder 'aufreißen'. Beim Fracking werden durch das Bohrloch mit Chemikalien versetztes Wasser und Keramikkügelchen oder Sand unter hohem Druck in die Schieferschicht gepresst. Dadurch bilden sich Risse im Gestein, die offen gehalten werden. Das Gas kann so entweichen und aufgefangen werden.

An dieser Stelle prallen wie so oft verschiedene Interessen aufeinander. Manche gehen Hand in Hand, andere widersprechen sich. Da ist zum einen die Chemiebranche, die sich durch die Technik Milliardeneinnahmen erhofft. Die restliche Industrie schielt auf den Kostenfaktor: Fracking hat in den USA die Gasrechnungen der dortigen Firmen mehr als halbiert.

Auf der anderen Seite stehen die Umwelt und die Gesundheit. In Deutschland wurde schon einige Male Fracking zur Gasförderung eingesetzt. Dabei seien In Niedersachsen kleinere Erdbeben mit Fracking in Beziehung gesetzt worden, so der stellvertretende Geschäftsführer des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), Stefan Ott. "Inwieweit das mit der eingesetzten Fracking-Methode zusammenhängt, kann keiner sagen, aber auch nicht ausschließen", sagt Ott. Alle maßgeblichen Institute hätten erst unlängst nochmals auf die Risikohaftigkeit dieser Methode hingewiesen.

Auswirkungen nicht geklärt, Nutzen begrenzt

Im Koalitionsvertrag wird das Fracking-Verfahren bei der Schiefergasförderung als Technologie mit hohem Risikopotenzial bewertet. Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt seien wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt.

Darüber hinaus ist auch das Schiefergasvorkommen in Deutschland nicht unendlich. Die Mengenschätzungen liegen bei etwa 700 Milliarden bis zu 2,3 Billionen Kubikmetern. BASF-Chef Kurt Bock geht davon aus, dass sich mit heimischem Schiefergas zehn Jahre lang der gesamte Gasverbrauch in Deutschland sichern ließe. Das ist ein ziemlich überschaubarer Zeitraum. Im Zuge einer langfristigen Energieplanung zu vernachlässigen.

Denn die Frage, die die Verantwortlichen sich stellen müssen, ist, ob ich ein Verfahren, dessen ökologischen und gesundheitlichen Folgen nicht geklärt, kaum kalkulierbar aber als riskant eingestuft sind, einsetze, um diesen Bruchteil an Energie zu sichern. Und um den Profit zu sichern.

Außerdem ist die Energiewende auch ein Prestigesache, ein Projekt, das für andere Nationen Vorbildcharakter haben soll. Sie muss Erfolg haben, damit sich weitere Länder trauen, Deutschland auf diesem Weg zu folgen. Und dieser sollte möglichst direkt beschritten werden, und nicht von einem fossilen Brennstoff, der Kohle, zum nächsten, dem Schiefergas. "Eine Neuausrichtung unserer Energiepolitik sollte uns weg von fossilen Brennstoffen führen - unabhängig davon, woher sie kommen", sagt auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Sie hat im Vorfeld des heutigen Energiegipfels von Bund und Ländern ihre Ablehnung gegenüber Fracking noch einmal bekräftigt: "Anders als die USA ist unser Land kleinräumig strukturiert und dicht besiedelt. Schon deswegen halte ich eine umweltverträgliche kommerzielle Anwendung der Fracking-Technologie bei uns für Wunschdenken", sagte sie der 'Passauer Neuen Presse'. "Im Übrigen ist Fracking die falsche Antwort auf die Energiefrage."

Bildquelle: Reuters