Aufregung um Terror-Warnung des BKA: Keine erhöhte Gefahr für Public Viewings

Friedrich: Keine konkreten Anschlagspläne

Kurz vor dem Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund in London hat eine Meldung über Anschlagspläne bei Public Viewings in Deutschland für Aufregung gesorgt. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wies die zurück – es gebe keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne. Doch nach übereinstimmenden Medienberichten hat das Bundeskriminalamt (BKA) die Innenminister von Bund und Ländern vor einer erhöhten Terrorgefahr gewarnt – offenbar nach einem Hinweis aus Russland.

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Aufregung um Terror-Warnung des BKA: Keine erhöhte Gefahr für Public Viewings
Wenn am Abend Zehntausende Fans in Berlin das Champions-League-Finale schauen, besteht laut Innenminister Friedrich keine konkrete Terrorgefahr. © dpa, Stephanie Pilick

Zuerst hatte 'Spiegel Online' berichtet, das BKA habe die Innenminister vor einer konkreten Gefahr für Deutschland gewarnt. Den Informationen zufolge ging es um Anschlagspläne auf Public-Viewing-Veranstaltungen – was Friedrich dementierte. Doch eine allgemeine Warnung durch das BKA hat es offenbar gegeben: Nach Informationen der ARD kam der Hinweis auf die Gefahr aus Moskau. Dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB zufolge sei eine konkreten Person in Deutschland als möglicher Terrorist identifiziert worden. Es gebe aber keinen konkreten Zusammenhang zum Champions-League-Finale in London und Fan-Veranstaltungen in Deutschland.

Bund und Länder stünden in intensivem Austausch mit ihren europäischen Partnern, erklärte Friedrich. "Soweit Hinweise auf Personen vorliegen, die als Gefährder in Betracht kommen, werden diese Hinweise wie immer sehr ernstgenommen." Deutschland stehe seit längerem im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus.

Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach, warnte im RTL-Interview vor Panikmache. "Wir dürfen die Meldung weder bagatellisieren noch dramatisieren. Es ist für die Menschen wichtig zu wissen, dass wir konkrete Hinweise auf Personen haben, aber nicht etwa auf Ort und Zeit, wo Anschläge möglicherweise verübt werden können", so der CDU-Politiker.

Auch das nordrhein-westfälische Innenministerium hat nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass Anschläge auf öffentliche Veranstaltungen zum Champions-League-Finale geplant sind. "Es gibt keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne", sagte Ministeriumssprecherin Birgit Axler. "Wir haben weiterhin eine abstrakte Gefahrenlage."

Bosbach: Seit geraumer Zeit besondere Gefährdungslage

In Berlin wurden Zehntausende Menschen beim Public Viewing am Brandenburger Tor erwartet. "Wir bewegen uns in Berlin bei der Sicherheit grundsätzlich auf einem hohen Niveau", sagte ein Sprecher der Polizei. Taschenkontrollen zum Beispiel gehörten bei Großveranstaltungen zur Routine. Trotzdem schreckte die Terror-Warnung ab: Nur einige Tausend Menschen verloren sich im Fan-Areal.

Für Bosbach ist die Meldung über eine Terrorgefahr "nicht überraschend, denn wir haben schon seit geraumer Zeit eine besondere Gefährdungslage und stellen erhöhte Reisebewegungen von Gefährdern fest. Wir werden in den letzten Jahren verstärkt als potentielles Anschlagsziel genannt. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in den letzten Jahren auch Glück gehabt haben." Einige Anschlagsversuche seien schiefgegangen. "Es geht jetzt für die Sicherheitsbehörden in erster Linie darum, die Gefährder so unter Kontrolle zu halten, dass das Risiko auf ein Minimum reduziert werden kann."

Auch in London herrscht seit Tagen Alarmbereitschaft, nachdem zwei mutmaßliche Islamisten einen britischen Soldaten auf offener Straße ermordet hatten. "Von Angst ist aber nichts zu spüren", berichtet RTL-Reporter Timo Latsch aus Londons Hauptstadt. Mitte April waren bei einem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon drei Menschen getötet worden. Mehr als 200 wurden verletzt.


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