Aufwärtstrend dank Verbot spekulativer Leerverkäufe

Mehrere Staaten verbieten Leerverkäufe

Die Anleger haben wieder Mut gefasst und dem deutschen Aktienmarkt zum Befreiungsschlag verholfen. Nach dem dramatischen, elf Tage andauernden Kursrutsch knüpfte der Dax trotz starker Schwankungen mit kräftigen Gewinnen an seine am Vortag begonnene Erholung an. Die US-Börsen sind zum Wochenende mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Auftrieb gaben wie schon am Vortag die ermutigende Einzelhandeldaten.

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Kursschwankungen an den Börsen
In mehreren europäischen Ländern sollen Marktturbulenzen durch das Verbot hochspekulativer Börsengeschäfte eingedämmt werden. © dpa, Frank Rumpenhorst

Die Europäische Börsenaufsichtsbehörde ESMA hatte mitgeteilt, dass in mehreren Ländern Verbote von sogenannten Leerverkäufen eingeführt oder ausgedehnt werden. Damit reagierten die Behörden auf die heftigen Börsenturbulenzen der vergangenen Tage. Mit dem Verbot soll die Möglichkeit eingeschränkt werden, aus der Verbreitung falscher Gerüchte Profit zu schlagen.

Die strengeren Regeln gelten nun auch in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien - vor allem für Aktien von Banken und Versicherungen. In Griechenland wurde das umstrittene Finanzinstrument bereits am Dienstag für zwei Monate gestoppt, in Deutschland sind bestimmte Leerverkäufe von Aktien der zehn größten deutschen Finanzinstitute verboten, seit sich die Staatsschuldenkrise im Mai 2010 zuspitzte.

Leerverkäufe (short-sellings) stehen im Ruf, Aktienkurse kräftig ins Rutschen bringen zu können: Mit dem Instrument wetten Spekulanten auf sinkende Kurse einer Aktie, die sie gegen eine Gebühr lediglich leihen und dann weiterverkaufen. Geht ihre Wette auf, können sie später die Papiere günstiger erwerben und dem Verleiher zurückgeben. Ihr Gewinn ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und Rückkaufpreis.

Börsianer weiterhin nervös

In nervösen Zeiten wie derzeit können solche Geschäfte eine Lawine auslösen. US-Investmentlegende Warren Buffett hatte die Instrumente deshalb einst als "Massenvernichtungswaffen der Finanzmärkte" bezeichnet. Andere sprechen bei Leerverkäufen von "Brandbeschleunigern". Zuletzt hatten Gerüchte um eine mögliche Abwertung Frankreichs und die Stabilität des französischen Bankensektors die Märkte in Panik versetzt und die Kurse abstürzen lassen.

Jetzt geht die Rechnung der Börsenaufsicht, die Märkte zu beruhigen, anscheinend auf. "Das Verbot von Leerverkäufen in einigen Ländern treibt den Dax an und im Zuge der steigenden Kurse kaufen auch die Investoren eifrig, die zuvor auf weiter fallende Kurse gesetzt haben", sagte etwa Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital.

SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte im 'Deutschlandradio Kultur': "Ich glaube, dass wir klar machen müssen, dass wir das Wetten auf finanzielle Krisen, auf finanzielle Abstürze, dass wir das generell in Europa und nach Möglichkeit international verbieten müssen." Auch die Union begrüßte den Vorstoß zur Eindämmung der Marktturbulenzen. "Es ist erfreulich, dass jetzt auch andere Euro-Länder beim Leerverkaufsverbot nachziehen", sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU). Deutschland habe Spekulanten bereits im letzten Jahr einen Riegel vorgeschoben.

Für Rückenwind sorgen auch die Vorgaben aus Amerika. An den US-Börsen war es am Donnerstag nach den jüngsten Kurseinbrüchen wieder deutlich bergauf gegangen. Börsianer begründeten dies mit erfreulichen Konjunkturdaten, vor allem vom Arbeitsmarkt. Auch überraschend gute Unternehmensdaten hätten die Stimmung aufgehellt.

Dennoch waren die Händler in Frankfurt zunächst nervös. Die Kurse schwankten stark. Am Vortag war das wichtigste deutsche Aktienbarometer erstmals mit einem Gewinn aus dem Handel gegangen, nachdem es zuvor an elf Minustagen in Folge bis zu 25 Prozent an Wert verloren hatte. Nach erneut schwachem Start knüpfte der Dax freitags bis auf ein Tief bei 5.678 Punkten schnell an seine Erholung vom Vortag an und schoss bis zum Nachmittag um 3,09 Prozent nach oben auf 5.977 Punkte.


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