Aus dem Tiefschlaf geholt: Forscher erwecken 30.000 Jahre altes Riesenvirus

Aus dem Schlaf geholt
Das sogenannte Pithovirus ist gerade einmal 0,0015 Millimeter lang. © dpa, Chantal Abergel

Aus dem ewigen Eis

Forscher haben 30.000 Jahre alte, bislang unbekannte Riesenviren aus dem Permafrostboden zum Leben erweckt. Über Jahrtausende hinweg schlummerten sie rund 30 Meter unter der Oberfläche - doch dann kamen sie: das Team um Matthieu Legendre und Julia Bartoli von der Aix-Marseille-Universität aus Marseille – auf der Jagd nach exotischen und unbekannten Viren.

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Ihr Spürsinn führte sie in den abgelegenen Osten von Russland in die Region Kolyma. Die Wissenschaftler rückten mit schwerem Gerät an und befreiten die Riesenviren aus ihrem Jahrtausende andauernden Tiefschlaf.

Riesenviren sind etwa so groß wie Bakterien und sogar unter einem Lichtmikroskop sichtbar. Bislang kannten die Forscher zwei sehr unterschiedliche Familien: die Megaviren und die Pandoraviren. Beide sind erst seit etwa zehn Jahren bekannt. Legendres Team spürte nun eine dritte Variante auf: das 1,5 Mikrometer (0,0015 Millimeter) lange Pithovirus.

Doch mit der Entdeckung kam auch die Sorge. Könnte der neu entdeckte Erreger dem Menschen gefährlich werden?

Droht uns Gefahr?

Die gute Nachricht vorweg: Der Pithovirus infiziert nur bestimmte Amöben und andere Kleinstorganismen. Für den Menschen interessiert er sich nicht im Geringsten, berichten die Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Dazu hatten die Wissenschaftler Proben des Permafrostbodens aufgetaut und dann im Labor mit Acanthamöben zusammen gebracht. Die Amöben dienten sozusagen als Köder, um den Viren eine Möglichkeit zu geben, sich wieder zu vermehren. "Unseres Wissens nach ist dies das älteste, Eukaryoten-infizierende Virus, das bisher zum Leben erweckt wurde", schreiben die Forscher.

Vorsicht ist trotz allem geboten, denn mit dem Tauen des Permafrostbodens in Sibirien oder beim Bohren nach Öl in der Arktis könnten weitere Viren frei werden, die möglicherweise Tiere und Menschen gefährden, warnen die Forscher. "Ich glaube, dass ein für den Menschen ansteckendes Virus im Permafrost genauso überdauern kann", warnt Jean-Michel Claverie, der ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat.


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