Aus Sorge um Crew: Rettungsorganisation Sea-Eye unterbricht Mittelmeer-Einsätze

Sea-Eye unterbricht Mittelmeer-Einsätze
Sea-Eye unterbricht Mittelmeer-Einsätze Aus Sorge um Crew 00:01:34
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Situation wird immer kritischer

Der Streit zwischen Italien und Libyen über die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer geht weiter – und die Situation wird immer kritischer. So kritisch, dass nun die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye Konsequenzen zieht: Bis auf weiteres gibt es vor der libyschen Küste keine Einsätze mehr - aus Sorge um die Crew.

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Einsätze seien nicht mehr zu verantworten

Erst kürzlich wurden die Flüchtlingshelfer von Sea-Eye beauftragt, ein Schiff der rechtsextremen identitären Bewegung zu retten, nachdem das in Seenot geraten war. Zum Einsatz kam es in dem Fall nicht, daher hat die Crew ihre Suche nach schiffbrüchigen Flüchtlingen fortgesetzt. Aber auch diese Hilfsaktionen scheinen vorläufig ein Ende zu haben – zumindest die vor der libyschen Küste.

Nach 'Ärzte ohne Grenzen' will nun auch die Hilfsorganisation Sea-Eye vorerst keine Einsätze zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen im westlichen Mittelmeer mehr fahren. Grund dafür sei eine veränderte Sicherheitslage: Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer sagte, die Fortsetzung der Rettungsaktionen vor der libyschen Küste sei unter den aktuellen Umständen "nicht möglich" und gegenüber den Crews nicht mehr zu verantworten

Libyen droht NGOs

Auf Facebook erklärte Sea-Eye, dass die Entscheidung zur Aussetzung der Rettungsmission "schweren Herzens" beschlossen wurde. Allerdings hätte sich die Sicherheitslage stark verändert, nachdem die libysche Regierung eine unbestimmte und einseitige Ausdehnung ihrer Hoheitsgewässer angekündigt hatte. Außerdem hätte es eine explizite Drohung an die privaten Nicht-Regierungsorganisationen (NGO = non-governmental-organization; Anm. der Red.) gegeben.

Die libysche Marine hatte erklärt, dass ausländische Schiffe die Küste des Landes ohne eine spezielle Erlaubnis der libyschen Behörden nicht mehr ansteuern dürfen. Nun wolle man bei Sea-Eye die Lage vor der libyschen Küste sorgfältig analysieren und das weitere Vorgehen beraten.

#SeaEye unterbricht Rettungseinsätze im Mittelmeer Regensburg (13.8.2017) – Die private Regensburger Hilfsorganisation...

Posted by Sea-Eye on Samstag, 12. August 2017

Sea-Eye hinterlässt "eine tödliche Lücke"

Sea-Eye beobachtet die Menschenrechtslage in Libyen mit großer Sorge. Buschheuer sagte, dass man nun “eine tödliche Lücke“ im Mittelmeer hinterlasse: "Hunderttausende sind auf ihrer Flucht in der Hölle von Libyen gelandet und schutzlos der Willkür von Banditen, Schleppern und regierungsnahen Milizen ausgesetzt“. Mit der Unterbrechung der Rettungseinsätze nehme man ihnen nunmehr auch die letzte Chance, dieser Zwangslage zu entkommen.

Auch die Hilfsorganisation 'Ärzte ohne Grenzen' hatte bereits angekündigt, dass ihr Schiff ‘Prudence‘ vorerst keine Flüchtling im Mittelmeer mehr retten könnte. Auch dies wurde mit dem politischen Druck aus Libyen begründet.

Unterwegs mit Frontex

Frontex-Einsatz der Bundespolizei
Frontex-Einsatz der Bundespolizei Pia Schrörs berichtet 00:02:44
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Im Mittelmeer ertrinken wieder mehr Menschen, beim Versuch nach Europa zu gelangen. Seit 2015, dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise hat die EU die Überwachung ihrer Außengrenzen verstärkt. Im Auftrag von Frontex sichern unterschiedliche Nationen das Gebiet auf hoher See und versuchen Schmugglern das Handwerk zu legen und Flüchtlinge zu retten. Auf der griechischen Insel Samos sind auch 24 Bundespolizisten stationiert. Unsere Korrespondentin Pia Schröers durfte eine Nacht lang mit ihnen auf Patrouille.