Ausbildungsoffensive Deutschland – Spanien: Ein Geben und Nehmen

Was in Deutschland erfolgreich ist, kann auch für Europa gut sein

Geht es nach Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und ihrem spanischen Amtskollegen José Ignacio Wert Ortega werden Spaniens Jugendliche schon bald nach deutschem Vorbild ausgebildet. Das vereinbarten sie bei der Deutsch-Spanischen Ausbildungskonferenz in Stuttgart. "Wir sind in Deutschland davon überzeugt, dass duale berufliche Bildung die beste Vorbeugung gegen Jugendarbeitslosigkeit ist", sagte die CDU-Politikerin. Konkrete Schritte wollen die Minister Anfang September in Madrid vereinbaren.

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Bundesbildungsministerin Schavan und ihr spanischer Kollege Ortega vereinbaren eine Ausbildungsoffensive
Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien soll bekämpft und der Fachkräftemangel in Deutschland gelindert werden © dpa, Franziska Kraufmann

"Es geht darum, das, was in Deutschland erfolgreich ist, auch auf andere europäische Länder auszuweiten", sagte Bildungsminister Ortega. In Spanien gebe es die Kombination aus schulischer und praktischer Ausbildung derzeit nur in Pilotprojekten. An der Konferenz nahmen auch führende Vertreter von Unternehmen, Bildungsanbietern, Kammern und Gewerkschaften teil.

Deutsche und spanische Unternehmen sollen beim Aufbau eines neuen Ausbildungssystems in Spanien eng zusammenarbeiten. Die Idee sieht vor, dass deutsche Konzerne mit Niederlassungen in Spanien und spanische Unternehmen mit Sitz in Deutschland Ausbildungsplätze anbieten. Dadurch würden spanische Azubis schneller Deutsch lernen und könnten sich so einfacher für einen Job in der Bundesrepublik qualifizieren.

Jeder zweite junge Spanier ohne Job

Spanien hat in der gesamten Euro-Zone mit 24,6 Prozent die höchste Arbeitslosenquote. Noch härter trifft es die jungen Iberer: Im April 2012 waren 52,1 Prozent im Alter unter 25 Jahren erwerbslos. "Wir können nicht zulassen, dass eine ganze Generation junger Menschen verloren geht", sagte Schavan. Im Gegensatz dazu hat Deutschland die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa, aber einen massiven Fachkräftemangel. Für junge Spanier gebe es deshalb auch in Deutschland interessante Ausbildungsmöglichkeiten. Von der Konferenz gehe ein Impuls für ganz Europa aus, sagte die Bundesbildungsministerin und die deutsch-spanische Pionierarbeit solle zum Modell auch für andere Länder werden.

Beim letzten Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs war ein 'Pakt für Wachstum- und Beschäftigung' in Höhe 120 Milliarden Euro beschlossen worden. Davon sollen 7,3 Milliarden Euro für konkrete Maßnahmen zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit verwenden werden. Nach Schätzungen der EU-Kommission sind 5,5 Millionen Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren in Europa arbeitslos. Insbesondere südeuropäische Länder sind davon stark betroffen. Die Erfahrung in Europa habe gezeigt, das Fachkräfte, die nach einigen Jahren der Berufstätigkeit wieder in ihr Heimatland zurückkehren, mit ihren im Ausland erworbenen Qualifikationen gute Berufsperspektiven vorfänden.