Ausrüstungsmängel: Wie marode ist die Bundeswehr wirklich?

28.09.2014 | 19:18
Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr Ihre Leistungsversprechen an die Nato kann die Bundeswehr derzeit nicht einhalten.

Von der Leyen räumt massive Probleme bei der Luftwaffe ein

Deutsche Soldaten sind in Krisenregionen in aller Welt im Einsatz – doch ihre Ausrüstung scheint bei Weitem kein Weltniveau zu haben. Derzeit kann Deutschland wegen der Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr sogar seine eigenen Zusagen an die Nato zu verfügbaren Waffensystemen nicht einhalten.

- Anzeige -

"Bei den fliegenden Systemen liegen wir im Augenblick unter den vor einem Jahr gemeldeten Zielzahlen, was wir binnen 180 Tagen der Nato im Alarmfall zur Verfügung stellen wollen", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen der 'BamS'. Als Gründe nannte sie einen Lieferengpass bei Flugzeugersatzteilen und den Ausfall von Marinehubschraubern. Die CDU-Politikerin betonte aber, die Bundeswehr könne bei laufenden Einsätzen sowie der kurzfristigen Reaktion der Nato in Krisenfällen alle Verpflichtungen erfüllen. Der 'Spiegel' berichtete, dass im Ernstfall eines Angriffs - etwa auf ein baltisches Nato-Mitglied - die Bundeswehr zum Beispiel die 60 angemeldeten Eurofighter nicht stellen könnte.

Laut einer Liste, die dem Verteidigungsausschuss des Bundestages am Mittwoch vorgelegt worden war, schränken Mängel an Fahrzeugen, Hubschraubern und Flugzeugen die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr ein. Zuletzt wurde dies bei der Unterstützung für die kurdische Armee im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) offenbar: Material und Ausbilder landeten mit zum Teil tagelanger Verspätung im Einsatzgebiet.

Union regt Anhebung des Wehrbudgets an

Die Grünen fordern von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angesichts der Probleme mehr Verantwortung für die Soldaten zu übernehmen. "Wer von Verantwortung in der Welt redet, muss auch der Verantwortung gegenüber den Soldatinnen und Soldaten gerecht werden, die im Einsatz viel riskieren und dafür angemessen ausgerüstet sein müssen", sagte die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt dem Blatt 'Neue Westfälische'.

Die Bundeswehr wartet nach Aussage der Verteidigungsministerin dringend auf die Lieferung des neuen Transportflugzeugs A400M, das die betagten Maschinen vom Typ Transall ablösen soll. Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold hält dabei weitere Verzögerungen für möglich: "Uns wurde mitgeteilt, dass sich die Auslieferung wohl von November auf Dezember verzögert. Bevor der A400M nicht auf dem Hof steht, glaube ich nichts mehr", sagte er Handelsblatt Online. Über die Beschaffung der neuen Transportmaschinen streitet das Verteidigungsministerium seit Jahren mit dem Hersteller Airbus.

Unionspolitiker regten indes eine Anhebung des Wehrbudgets an. "Ab 2016 ist eine Aufstockung des Etats erforderlich - um so viel Geld, wie zur Erfüllung aller Aufträge nötig ist", forderte der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Henning Otte (CDU), in der 'Welt am Sonntag'. Schon 2015 dürfe kein Geld mehr an den Finanzminister zurückfließen.

Nach Berechnungen des CSU-Verteidigungsexperten Florian Hahn habe das Wehressort zwischen 2008 und 2014 vier Milliarden Euro weniger ausgegeben, als vom Parlament bewilligt waren, schrieb die Zeitung. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Hans-Peter Bartels (SPD), verlangte im selben Blatt, von der Leyen müsse ein Konzept zur Lösung der Probleme vorlegen: "Die Ministerin ist nun gefordert. Es ist gut, dass die Missstände jetzt nicht mehr unter der Decke gehalten werden."

Im Nordirak ist derweil ein weiterer Waffentransport aus Deutschland eingetroffen. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte, dass eine in Leipzig gestartete Antonov-Maschine Waffen und Fahrzeuge für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in die Kurdenhauptstadt Erbil gebracht hat. Die Ausrüstung aus Bundeswehrbeständen soll der kurdischen Peschmerga-Armee übergeben werden. Deutschland will 10.000 Kämpfer ausrüsten. Die erste deutsche Waffenlieferung hatte Erbil am Donnerstag erreicht.

Bildquelle: dpa bildfunk