Ausschreitungen bei Mai-Demos in Berlin und Hamburg

01.05.2013 | 20:55
1. Mai Demo Berlin Hamburg Teilnehmer der Revolutionären 1. Mai-Demonstration treten in Berlin die Schaufenster einer Sparkassenfiliale ein.

Polizei Hamburg setzt Wasserwerfer ein

Bei sogenannten Revolutionären Mai-Demonstrationen ist es in Berlin und Hamburg auch in diesem Jahr wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen. In beiden Städten wurden Polizisten am Rande von Kundgebungen mit Steinen, Flaschen oder Böllern angegriffen. In Hamburg gingen die Sicherheitskräfte mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Randalierer vor. Die Demo in der Hansestadt wurde vorzeitig abgebrochen.

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Danach zogen Gruppen von Menschen in das Schanzenviertel, aber auch in andere Hamburger Stadtteile. "Wir müssen abwarten, was dort im Schutz der Nacht passiert", sagte die Polizeisprecherin. "Im Vergleich zu anderen Jahren ist es bisher noch deutlich friedlicher - aber die Stimmung ist gereizt."

Polizisten seien bei einer Zwischenkundgebung am Bahnhof Altona gezielt mit Böllern angegriffen worden, sagte eine Sprecherin. Einige Beamte wurden dabei verletzt. Acht Menschen wurden unter anderem wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung festgenommen.

Bereits kurz nach dem Start des Protestzugs am U-Bahnhof Feldstraße war es zu Zwischenfällen gekommen. Vereinzelt flogen Böller und Flaschen. Beamte seien von Häusern aus mit Steinen attackiert worden, sagte die Sprecherin.

Unter dem Motto "Das Proletariat hat kein Vaterland" waren rund 1.400 Teilnehmer am linken Kulturzentrum 'Rote Flora' vorbei in Richtung Altona gezogen. An der Spitze der Demonstration setzte die Polizei ihre Reiterstaffel ein, außerdem waren fünf Wasserwerfer dabei. Die Demonstranten wurden von einem dichten Polizeispalier - mehreren Hundertschaften mit Schutzhelmen und Schlagstöcken - begleitet. Der Protestzug kam mehrfach ins Stocken – unter anderem, weil sich Teilnehmer vermummt hatten und Böller zündeten. Einige Leute skandierten: "Ganz Hamburg hasst die Polizei!"

Gewaltausbrüche auch in Berlin-Kreuzberg

Auf Plakaten der Demonstranten aus dem linksradikalen Spektrum war etwa "Gegen Ausbeutung und Unterdrückung" oder "Kampf dem Imperialismus in jedem Land" zu lesen. Auf einer S-Bahn-Brücke wurde ein Transparent entrollt mit dem Schriftzug: "Verteidigen wir die rote Fahne der Revolution auf dem Weg von Ibrahim Kaypakkaya". Kaypakkaya war ein türkischer Revolutionär und Gründer der Kommunistischen Partei der Türkei.

Die Walpurgisnacht war in Hamburg weitgehend friedlich verlaufen. Vor der 'Roten Flora' wurden vereinzelt Böller gezündet, Flaschen geworfen und unter anderem Mülleimer in Brand gesetzt. Anwohner versuchten, kleine Feuer zu löschen und Randale zu verhindern. Später griff die Polizei ein, zwei Menschen wurden festgenommen, elf kamen in Gewahrsam.

Auch in Berlin-Kreuzberg ist es zu Gewaltausbrüchen gekommen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit schleuderten Unbekannte Steine und Flaschen gegen Polizeiwagen. Die Scheiben einer Sparkassenfiliale wurden eingeworfen. Ein Auto wurde umgekippt, drei andere demoliert. Auch eine Telefonzelle wurde zerstört.

Die Polizei hielt sich zunächst zurück. Aus der Demo heraus war es auch in den Vorjahren immer wieder zu Randale gekommen. Nach Polizeiangaben waren etwa 6.000 Demonstranten unterwegs, einige von ihnen vermummt. Anfangs hatte die Polizei von einer ausgelassenen, friedlichen Stimmung gesprochen. Der Demonstrationszug führte von Kreuzberg in die Nähe des Brandenburger Tores.

Insgesamt waren in Berlin 7.000 Beamte im Einsatz. In der Hauptstadt hatte es schon im Laufe des Tages kleinere Zwischenfälle bei Protesten gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD im Stadtteil Schöneweide gegeben, einer Hochburg der rechten Szene. Dort ging die Polizei mit einem Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Steinewerfer aus dem linken Spektrum vor. Die Polizei sprach von rund 480 Anhängern der NPD und etwa 2.000 Gegendemonstranten, das Bündnis '1. Mai-Nazifrei' von 5.000 Teilnehmern.

Bildquelle: dpa bildfunk