Ausschreitungen nach Demo: Frankreichs Problem mit der Homo-Ehe

Auch Schwule gegen die Homo-Ehe

Die Diskussion um die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe beschränkt sich in Deutschland eigentlich weitestgehend auf die CDU, die in der Frage gespalten ist, und deren Schwesterpartei, die CSU, die vehement dagegen ist. Anders verhält es sich in Frankreich, wo es wieder Protestaktionen gegen das neue Gesetz zur Homo-Ehe gab. Aber was bringt die Franzosen so sehr gegen das neue Gesetz auf?

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Frankreich, Homo-Ehe
Frankreich: Das Gesetz zur Homo-Ehe polarisiert. © dpa, Etienne Laurent

Eine nicht angemeldete Protestaktion haben Sicherheitskräfte in Paris verhindert. Sie nahmen vorübergehend knapp 100 Demonstranten fest.

Schon am Sonntag warfen Protestler, einige von ihnen vermummt, Flaschen gegen Polizeiabsperrungen, zündeten Rauchbomben und Knallkörper. Sechs Menschen wurden verletzt, darunter vier Polizisten, ein Pressefotograf und ein Demonstrant. Es gab knapp 300 Festnahmen. Man fragt sich: Wer steht hinter den Demonstrationen und warum enden sie mitunter so gewalttätig?

Das französische Gesetz zur Homo-Ehe geht sehr weit, gleichgeschlechtliche Paare dürfen heiraten, sie dürfen Kinder adoptieren und sich künstlich befruchten lassen. Das geht vielen Franzosen zu weit, die im Grunde nichts dagegen haben, dass Schwule und Lesben heiraten dürfen.

Die radikale katholische Vereinigung 'Civitas', einer der Organisatoren der Demo am Sonntag, sieht darin einen beispiellosen Werteverfall. Laut RTL-Frankreich-Korrespondentin Elke Büchter fallen sie bei ihren Veranstaltungen gerne mal auf die Knie und beten gegen den Verfall an.

Ein anderer Organisator der Demonstration war der Verein 'La Manif Pour Tous', zu deren Sprechern neben der Führungsfigur der Bewegung, der Komödiantin Frijide Barjot, auch ein Mann namens Xavier Bongibault gehört, Gründer des Vereins 'Plus Gay Sans Marriage' (Schwuler ohne Ehe), selbst schwul. Einer von vielen Homosexuellen, die gegen das neue Gesetz sind. Wie Bongibault selbst sagt, sei die Mehrheit der Homosexuellen gegen das Gesetz. Homophobe Tendenzen sollten der Vereinigung also fern sein. So steht es auch auf ihrer Internetseite geschrieben.

Unterwanderung von rechts

Barjot selbst ist bei der von ihr initiierten Großdemonstration allerdings nicht zugegen. Ihr wird vorgeworfen, so Büchter, die Kontrolle über die Bewegung verloren zu haben, die angeblich langsam von radikalen Gegnern der Schwulen-Ehe und Rechtsextremen unterlaufen wird. Die Ablehnung der Homo-Ehe ist gerade für die rechtextreme 'Front National' unter Marine Le Pen ein willkommenes Thema auf ihrem angeblichen Weg in die Mitte der Gesellschaft. Bei den Demonstrationen vermischen sich die politischen und weltanschaulichen Richtungen. Fanatiker, die religiöse Gründe gegen die Schwulen-Ehe hervorbringen, Rechte mit radikaler homophober Gesinnung, Konservative, die katholische und konservative Werte bedroht sehen und Schwule, die auf das Gesetz lieber verzichten wollen, demonstrieren Seite an Seite.

Die in Paris arbeitende freie Journalistin Romy Straßenburg, die auch für n-tv von den Ausschreitungen in Frankreich berichtete, schreibt dazu auf 'freitag.de': "Alle eint allerdings ein immenser Hass auf die aktuelle französische Regierung, auf Hollandes Wirtschaftspolitik. Der Frust über die immens hohen Arbeitslosenzahlen, die Euro-Krise, die Schließungen zahlreicher Industriestandorte."

Für den Krawall am Schluss sind nach Meinung von RTL-Korrespondentin Büchter einzelne radikale Trittbrettfahrer verantwortlich, die im Grunde nur die Randale suchen.