Baby Charlie darf noch drei Wochen leben: Europäischer Gerichtshof verschiebt erneut Urteil

Kleiner Charlie darf nicht sterben!
Kleiner Charlie darf nicht sterben! Europäischer Gerichtshof entscheidet über Weiterbehandlung 00:00:57
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Drei weitere Wochen Aufschub für Baby Charlie

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ist ihre letzte Hoffnung: Connie Yates und Chris Gate wollen nicht akzeptieren, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet werden sollen, die ihren kleinen Charlie am Leben halten. Genau das haben in ihrer englischen Heimat bereits Gerichte angeordnet, unterstützt von den behandelnden Ärzten. Dass es für ihr schwerkrankes Baby kein lebenswertes Leben geben wird - das konnten Connie und Chris nicht glauben. Sie wollen ihr zehn Monate altes Baby für eine experimentelle Therapie in die USA bringen. Die Europa-Richter müssen nun über Leben und Tod entscheiden. Eine schwere Entscheidung, die innerhalb weniger Tage schon ein zweites Mal verschoben wurde.

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Richter konnten immer noch kein finales Urteil fällen

Es ist eine schwere Entscheidung: Darf Baby Charlie leben oder muss er sterben? Die eigentlich für den 13.6. geplante Entscheidung über Charlies Leben wurde von dem Europäischen Gerichtshof auf den 19.6. verschoben. Aber auch an diesem Tag konnten die Richter kein endgültiges Urteil fällen. Sie ordneten an, dass Charlie noch drei weitere Wochen von den Ärzten in England weiterbehandelt werden soll. Der Gerichtshof möchte die Entscheidung nicht überstürzen und analysiert den Fall des zehn Monate alten Babys nun genauer. Die Sprecherin des Europäischen Gerichtshof sagte dazu: "Angesichts der außergewöhnlichen Umstände dieses Falles, hat der Gerichtshof entschlossen, diesen zu ihrer Priorität zu machen und ihn mit höchster Dringlichkeit zu bearbeiten."

Charlie leidet an einem seltenen Gendefekt - Eltern hoffen auf eine experimentelle Therapie in den USA

Charlie aus England liegt durch einen geerbten Gendefekt mit schlimmen Gehirnschäden in einem Krankenhaus in London. Er leidet an mitochondrialer Myopathie. Diese seltene Erkrankung führt bei den Betroffenen neben den Hirnschäden, auch zu Muskelschwund. Nur Maschinen erhalten das zehn Monate alte Baby noch am Leben. Doch auch wenn britische Ärzte dem Kleinen keine Chance auf Heilung mehr geben, hoffen seine Eltern auf eine ganz bestimmte Therapie in den USA. Bereits im April entschied das Gericht in Großbritannien, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt werden sollten. Die Eltern kämpften weiter für ihren Jungen und traten an den 'Europäischer Gerichtshof für Menschenrecht' in Straßburg heran. Dort wurde die Entscheidung wieder verschoben, dieses Mal für drei Wochen.

Für die Therapie in den USA haben die Eltern bereits eine Millionen britische Pfund über eine Internetplattform gesammelt.

Eltern teilten emotionales Bild

Vor einigen Tagen teilte Charlies Mutter ein Bild des Kleinen mit geöffneten Augen und schrieb dazu "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte." Im April hatte das Gericht den Eltern gesagt, dass die Lage für ihr Kind schlecht aussehe, da er noch nicht einmal schaffen würde seine Augen zu öffnen. Mit diesem Bild will die Mutter diesem widersprechen.

Darf ein Gericht über das Wohl des eigenen Kindes entscheiden?

Dieser Fall führt unweigerlich zu der Überlegung, ob ein Gericht eine solche Entscheidung über das eigene Kind treffen darf. Der Basler Rechtsprofessor Bijan Fateh-Moghadam stellt heraus, dass die medizinrechtliche Kultur in Großbritannien sehr paternalistisch geprägt sei: "Dem Staat wird recht großzügig gestattet, in das Eltern-Kind-Verhältnis einzugreifen. Die staatlichen Gerichte treten sozusagen als der oberste Erziehungsberechtigte auf." Dies führt laut dem Experten dazu, dass die Mediziner mehr Macht bekämen: "Da steckt der Gedanke dahinter: Wir wissen besser als die Eltern, was dem Wohl des Kindes dient, die getrieben sind von ihren Emotionen." Fateh-Moghadam hält den Standpunkt seiner britischen Kollegen für kritisch. "Es geht letztendlich um das Selbstbestimmungsrecht, das bei Minderjährigen die Eltern wahrnehmen." Bei einem Missbrauch der Personensorge habe das zwar seine Grenze. "Es kann etwa selbstverständlich nicht darum gehen, ein hirntotes Baby monatelang weiter zu behandeln." Eine solche Situation sei aber im Fall von Charlie nicht ersichtlich. "Gerade bei existenziellen Entscheidungen haben die Eltern grundsätzlich das Recht, ihre Hoffnungen auch auf einen experimentellen Heilversuch zu setzen", sagt der Experte.

Ob sich die Augen für Charlie für immer schließen müssen, wird der Europäische Gerichtshof am 10. Juli verkünden. Bis dahin müssen Charlies Ärzte alle lebenserhaltenden Maßnahmen aufrechterhalten. Wir halten Sie über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden.


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