Baby die Kehle durchgeschnitten: Mutter vor Gericht

"Es war kein Teil von mir"

"Ich bin die gesuchte Mörderin des Babys vom Waller See." Mit diesen Worten stellte sich im Frühjahr eine Frau der Polizei - und gestand die Tötung eines weiteren Säuglings. Jetzt steht die 36-Jährige vor Gericht.

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Doppelter Babymord: Mutter vor Gericht
Diese 36-Jährige hat gestanden, ihre beiden Babys getötet zu haben. Beim Prozessauftakt in Braunschweig verbirgt sie ihr Gesicht. © dpa, Holger Hollemann

Die Frau soll ihre zwei Töchter jeweils kurz nach der Geburt umgebracht haben - die Anklage lautet auf Totschlag. Zum Prozessauftakt erneuerte sie ihr Geständnis. Sie habe 2005 ihrem neugeborenen Kind mit einem Messer den Hals durchgeschnitten, sagte die 36-Jährige zum Verhandlungsbeginn vor dem Braunschweiger Landgericht. Die Leiche habe sie in eine Plastiktüte getan und an einem Badesee bei Braunschweig verscharrt.

Zu der Tat trugen offenbar viele Faktoren bei. Das Kind stammte aus der Beziehung der Beschuldigten zu einem verheirateten Mann. Die Frau hatte ihre Schwangerschaft verheimlicht und anscheinend auch verdrängt. Bei der Geburt im Badezimmer der Angeklagten war es zu schweren Komplikationen gekommen. "Ich hatte Schmerzen, nur Schmerzen", berichtete die 36-Jährige.

Als das Kind schließlich auf die Welt gekommen war, habe sie den Eindruck gehabt, "dass es kein Teil von mir ist. Es schrie so laut. Ich wollte nur Ruhe", erklärte sie in teilnahmslosem Tonfall.

Sie hatte eine schwierige Kindheit

Problematisch ist nach ihren Schilderungen auch ihr Lebensweg verlaufen. Als Tochter sehr strenggläubiger kurdischer Eltern habe sie Angst vor einer Zwangsheirat gehabt und sei deshalb als 18-Jährige geflohen. Es sei auch die Flucht vor Schikane und Misshandlungen gewesen. "Bei uns gab es keine Liebe", sagte sie.

Der Fund des toten Säuglings hatte für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Fast sechs Jahre lang blieb die Suche nach der Mutter ergebnislos. Erst im Frühjahr 2011 enthüllte eine in einem anderen Fall sichergestellte Gen-Spur die Identität der Angeklagten.

Nach der Festnahme führte die Frau die Beamten zu einem Müllcontainer. Dort hatte sie kurz zuvor die Leiche eines anderen Babys versteckt. Das Mädchen sei während der Geburt in ihrer Badewanne ertrunken, versicherte die 36-Jährige. Die Staatsanwaltschaft wertet aber auch diesen Fall als Totschlag, weil die Beschuldigte keine Vorkehrungen für die Geburt getroffen und somit den Tod des Kindes in Kauf genommen habe.


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