Baby ermordet: Lebenslang für Mutter

Richter: Tat auf "unterster sittlicher Stufe"

Sie hat ihr acht Monate altes Baby getötet, jetzt wurde eine Mutter vom Landgericht Weiden zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt.

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Baby ermordet: Lebenslang für Mutter
Die 25-Jährige wurde vom Landgericht Weiden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt © dpa, Armin Weigel

Die Staatsanwaltschaft hatte der 25-Jährigen "grausamen Mord aus niederen Beweggründen" vorgeworfen. Der Richter sagte, die Tat stehe "auf unterster sittlicher Stufe". Das Gericht hat die Frau zwar in eine psychiatrische Gefängnisabteilung eingewiesen, beim Urteil die auch von einem Gutachter festgestellten Probleme der Frau aber nicht weiter berücksichtigt. Der Sachverständige hatte erhebliche Auffälligkeiten in der Persönlichkeit der 25-Jährigen gesehen, aber eine verminderte Schuldfähigkeit dennoch ausgeschlossen.

Verteidiger Tobias Konze ist der Ansicht, dass die Strafkammer die psychischen Probleme seiner Mandantin hätte berücksichtigen müssen: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es Totschlag ist." Er kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Angelina H. hat ihrem kleinen Sohn Gero im Frühjahr einen Pullover in den Mund gesteckt, ihm die Nase zugehalten und auch die Kehle zugedrückt. Der Todeskampf des Kindes dauerte laut Anklage eine halbe Stunde. Als Motiv nehmen die Ermittler an, dass die Frau das Kind von Anfang an ablehnte.

So soll sie sich daran gestört haben, dass ihr Körper durch die Schwangerschaft nicht mehr so makellos wie einst gewesen sei. Der getrennt von der Frau lebende Vater fand seinen toten Sohn am Pfingstmontag, drei Tage nach dessen Tod, in der Wohnung der Mutter. Der kleine Leichnam lag abgedeckt mit einem Badetuch auf der Waschmaschine.

H. stammt aus schwierigen Familienverhältnissen. Die Eltern trennten sich, als sie drei war, die Mutter hatte Alkoholprobleme und ihr Stiefvater war häufig aggressiv. Bereits im Alter von zehn Jahren hatte sie depressive Phasen. In ihrer Jugend verletzte sie sich selbst. Zeitweise wurden bei ihr Alkoholabhängigkeit und Drogensucht diagnostiziert. Ein makelloser Körper war ihr sehr wichtig und so ließ sie die Geburt ihres Sohnes Gero als Kaiserschnitt vornehmen, weil sie mögliche körperliche Folgen einer normalen Geburt fürchtete.

Schreckliche Details

Anatoli Abramovic, Psychiater der JVA Würzburg, las im Zeugenstand Details der Aussage der Angeklagten vor, welche sie nach der Tat angab: "Das Kind hat meinen Körper ruiniert", so die Mutter. "Ich habe es dafür gehasst. Es war ekelhaft, das Kind anzufassen, zu waschen. Das Kind umzubringen war für mich seit langem entschieden."

Dem Vater, Jürgen B., gingen diese Aussagen sichtlich nahe. Er beschrieb, wie Angelina das Kind erst abtreiben lassen wollte, dann aber beschloss, es zu bekommen und zur Adoption frei zu geben. Diese scheiterte jedoch zweimal. Der Vater hat den Sohn in regelmäßigen Abständen übernommen, auch diesmal wollte er ihn abholen. Doch Angelina zeigte mit einer Handbewegung auf die Badezimmertür und sagte: "worst case" - woraufhin er die Leiche fand. Danach hat ihn Angelina um Hilfe gebeten, sich selbst umzubringen. Trotz Schock und ohne die Tat verharmlosen zu wollen, hat er nach eigener Aussage immer noch Gefühle für die Mutter seines toten Sohnes. Er möchte nicht, dass sie als gefühlskalte Bestie dargestellt wird.


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