Baby-Prozess in Koblenz: Mutter trifft auf mutmaßliche Kidnapper von Michala

Koblenz Prozess Baby Tschechien entführt
Die Angeklagte Melanie-Christin M. B. hat die Entführung bereits gestanden. © dpa, Thomas Frey

Tschechin bricht in Tränen aus: "Ich habe geschrien"

Es ist mit das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann: Im Juli 2012 wird die wenige Wochen alte Michala im tschechischen Ústí nad Labem vor den Augen ihrer Mama aus dem Kinderwagen entführt. Jetzt wurde die 21-Jährige als Zeugin vor das Koblenzer Gericht geladen und blickte den Kidnappern ihres Babys das erste Mal ins Gesicht. Bei ihrer Aussage brach sie in Tränen aus.

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Bei den Angeklagten handelt es sich um die 48-jährige Melanie-Christin M. B. und ihren 51-jährigen Freund Uwe R. Beide sollen das Kind mit dem Auto nach Deutschland gebracht haben. Nach einer Großfahndung war die kleine Michala nach fünf Tagen voller Ungewissheit wohlbehalten in der Neuwieder Wohnung der Mutter der Angeklagten gefunden worden. Seitdem sitzen beide in Untersuchungshaft. Ihnen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Michalas Mutter schilderte weinend, wie Uwe R. ihr das Baby in einem Park weggerissen habe. Sie habe vergeblich versucht, ihr Baby noch am Füßchen festzuhalten, und sei hinterhergerannt. Dann sei der Mann mit dem Mädchen in einem Auto geflüchtet. Die Tschechin sagte laut einem Dolmetscher: "Ich habe geschrien und wollte, dass jemand die Polizei ruft." Das habe eine Passantin gemacht. Die Mutter konnte sich das Kennzeichen des Autos merken und teilte es der Polizei mit.

Angeklagte gab Michala als eigenes Baby aus

Unter Tränen sagte die Mutter: "Ich war psychisch sehr schlecht dran und das eigentlich bis zum heutigen Tag." Sie sei in psychologischer Behandlung und habe Angst, mit Michala ihre vier Wände zu verlassen. "Wenn ich nach draußen gehe, werde ich immer von meinem Lebensgefährten begleitet." Die junge Mutter vermied es, die beiden mutmaßlichen Kidnapper anzuschauen.

Als sich die Anwälte beider Angeklagten in deren Namen bei der jungen Mutter entschuldigten und ihr auch eine persönliche Entschuldigung der 48-Jährigen anboten, lehnte die 21-Jährige ab: "Ich möchte mit ihr nicht reden." Die Tschechin will wegen ihrer psychischen Belastung Schadenersatz fordern.

Die mutmaßliche Kidnapperin hatte die Tat gestanden und vor Gericht betont, ihren Freund mit einer komplexen Lügengeschichte in das Ganze hineingezogen zu haben. Angeblich verschwieg sie ihm eine Fehlgeburt und behauptete, das eigene Baby sei entführt worden. Am 4. Juli sah sie dann die kleine Michala und gab nach eigenen Angaben vor, dass es sich um das gekidnappte Kind der beiden handelt.

Eigentlich war schon Mitte Februar mit den Urteilen gerechnet worden, doch die Verteidigung der beiden Angeklagten beantragte noch die Ladung der Mutter sowie die eines tschechischen Arztes. Dieser soll klarstellen, ob M. B. jemals schwanger war - wie sie behauptet - oder nicht. Der Prozess soll am 25. März fortgesetzt werden.


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