Babymord in Villmar: Mutter muss lebenslang in Haft

Babymord in Villmar: Mutter muss lebenslang in Haft
Die 34-Jährige hatte gestanden, drei Säuglinge mit Spucktüchern erstickt zu haben. © dpa, Fredrik von Erichsen

Ihre dritte Tat wertete das Gericht als Mord

Weil ihr Baby schrie, hat eine 34-jährige Frau "es abgeschaltet wie ein Radio". In einem Revisionsprozess verurteilte das Landgericht Limburg eine Mutter, die ihre drei Babys getötet hat, zu einer lebenslangen Haft.

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Zumindest die dritte Tat wertete das Gericht nun als Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen. "Sie fühlte sich durch das Schreien des Kindes gestört und hat es abgeschaltet wie ein Radio", sagte der Richter über die Frau aus dem mittelhessischen Ort Villmar. Die 34-Jährige hatte gestanden, zwischen 2004 und 2009 drei Säuglinge mit Spucktüchern erstickt zu haben. Das hatte das Gericht im ersten Prozess als Totschlag gewertet und die Mutter zu 13 Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil für die dritte Tat auf und verwies den Fall zurück nach Limburg.

"Wegwerfmentalität" der Mutter

Die ersten beiden Todesfälle hatte die Frau mit plötzlichem Kindstod erklärt. Deshalb wurde ihr dritter Säugling mit einem Monitor überwacht, auch der Ehemann achtete besonders auf das Kind. Am Abend des 25. Juni 2009 nutzte die Mutter nach Überzeugung des Gerichts einen Moment, als ihr Mann vor Erschöpfung eingeschlafen war, um das Kind zu ersticken.

Die Staatsanwaltschaft plädierte wegen der dritten Tat auf Mord. Sie forderte auch, eine besondere Schwere der Schuld festzustellen. Damit kann ein Verurteilter nicht bereits nach 15 Jahren aus der Haft entlassen werden. Die Mutter habe aus "Wegwerfmentalität" selbstsüchtig gehandelt, sagte der Staatsanwalt. Weil die Frau gestanden hatte, sah das Gericht davon ab, die besondere Schwere der Schuld festzustellen.


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