Bahn fragt sich: Haben wir überhaupt genug Leute?

15.08.2013 | 08:44
Mainz Bahnchaos - Fahrplan Erst ab 30. August wird laut der DB Netz wieder alles normal laufen.

Acht Millionen Überstunden und neun Millionen Stunden Urlaub

Nach dem Stellwerksdebakel von Mainz will die Deutsche Bahn gemeinsam mit der Gewerkschaft EVG den kompletten Personaleinsatz des Konzerns überprüfen. Man will sich also mit der entscheidenden Frage konfrontieren: Haben wir überhaupt genug Personal?

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Bis November sollen die gerade laufenden Personalplanungen für das kommende Jahr in sämtlichen rund 400 Konzernbetrieben gemeinsam mit den Beschäftigten überprüft werden, dann will man nochmal darüber reden. Notfalls sollen neue Mitarbeiter eingestellt werden.

Überstunden sollen möglichst komplett abgebaut und gewährte Urlaubs- und Ruhetage auch eingehalten werden. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft rechnet mit zusätzlichen Einstellungen. Denn die etwa 300.000 Bahnmitarbeiter haben bislang acht Millionen Überstunden und neun Millionen Stunden noch ausstehenden Urlaub angesammelt.

Anlass für die Verhandlungen sind massive, seit Wochen anhaltende Probleme im Stellwerk Mainz, wo nicht genügend Fahrdienstleiter vorhanden sind. "Mainz ist die Spitze des Eisbergs", sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. Konzernweit seien 8 Millionen Überstunden und 9 Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen.

Bahn wehrt sich

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber wehrte sich gegen den Vorwurf, bei der Bahn gebe es gar keine Personalplanung. Man nehme den demografischen Wandel ernst, was sich in 20.000 Neueinstellungen in den vergangenen Jahren zeige. Allein im ersten Halbjahr 2013 habe die Bahn 2.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Wie es nun scheint, nicht genug.

Die EVG hielt der Bahn vor, den aktuellen Engpass im Stellwerk selbst angeordnet zu haben. Nach einem Beinahe-Zusammenstoß zweier S-Bahnen am 1. August sei die Arbeitsbelastung der Fahrdienstleiter reduziert worden, um sich gegenüber Staatsanwaltschaft und Eisenbahnbundesamt keine Blöße zu geben.

Kritik gab es auch für Bahnchef Rüdiger Grube, weil er Stellwerksmitarbeiter in deren Urlaub angerufen hatte. "Dass Mitarbeiter, die dringend Urlaub brauchen, vom obersten Konzernlenker persönlich angerufen werden, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit", sagte EVG-Chef Alexander Kirchner.

Die Bahn verteidigte die Telefonaktion. "Im Interesse unserer Kunden, des Unternehmens und aller unserer über 300.000 Mitarbeiter hat er eine Handvoll Kollegen in Mainz angerufen, und sie darum gebeten, sich zu überlegen, ob sie nicht ihren Urlaub verschieben könnten", sagte Konzernsprecher Oliver Schumacher. "Ausdrücklich sollten sie eine Nacht darüber schlafen."

Bildquelle: Reuters