Bamberger Priester Stefan Hartmann bekennt sich öffentlich zu seiner Tochter

"Schade, dass ich mich nicht über das Kind freuen konnte"

Es ist die Pflicht eines jeden Priesters – besonders der katholischen Geistlichen – sexuelle Enthaltsamkeit. Viele Menschen halten das Zölibat für nicht mehr zeitgemäß, zu ihnen zählt auch Stefan Hartmann. Der Bamberger Priester schwieg über über 15 Jahre, doch jetzt geht er in die Offensive und bekennt: "Ich habe eine Tochter."

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Priester Stefan Hartmann fordert die Kirche auf, die Zölibatspflicht endlich abzuschaffen. © dpa, David Ebener

Vor 24 Jahren musste sich der katholische Priester entscheiden: Kind oder Kirche? Eine heimliche Beziehung zu einer Frau war zerbrochen, doch sie schenkte ihm eine Tochter. Heute bereut Hartmann sein Handeln: "Es war schade, dass ich mich in dem Moment nicht über das Kind freuen konnte. Damit ich weiter Priester bleiben kann, habe ich keine Beziehung gesucht. Wir sind getrennte Wege gegangen, ich habe das Kind nicht gesehen." Nicht eine Tochter zu haben, sondern sie zu verleugnen, sei die Sünde gewesen.

Über Jahre hinweg besteht der einzige Kontakt zu seiner Tochter Katharina aus den Alimenten, die er regelmäßig zahlt. Erst jetzt entsteht so langsam etwas wie eine Vater-Tochter-Beziehung. Viele Priester führen heimlich ein Doppelleben oder zerbrechen an der Einsamkeit, glaubt der 59-Jährige. Deshalb fordert der fränkische Priester die katholische Kirche auf, die Zölibatspflicht endlich abzuschaffen.

Der Großteil seiner Gemeinde in Bamberg respektierte Hartmanns Gang an die Öffentlichkeit. Auch die Bistumsleitung hielt an ihm fest, erteilte aber einen Rüffel für die öffentliche Kritik.