Bandenmitglieder gestehen Studenten-Massaker in Mexiko

Massengräber in Pueblo Viejo entdeckt

Zwei Mitglieder der kriminellen Organisation Guerreros Unidos haben gestanden, 17 der 43 seit Tagen vermissten Lehramtsstudenten getötet zu haben. Auch die örtliche Polizei soll in den Fall verwickelt sein.

- Anzeige -
Mexiko
Die Bandenmitglieder und ein städtischer Polizist führten die Ermittler zu Massengräbern in Pueblo Viejo. © dpa, Str

Die Kämpfer der Verbrecherbande und ein städtischer Polizist hätten die Ermittler zu den Massengräbern in der Ortschaft Pueblo Viejo im Südwesten Mexikos geführt. Das teilte der Staatsanwalt des Bundesstaates Guerrero, Iñaky Blanco mit. Insgesamt wurden dort in sechs Gruben 28 Leichen gefunden. Einige seien verstümmelt und verbrannt gewesen, sagte Blanco. Noch konnten die Toten nicht einwandfrei identifiziert werden, doch es gilt als sicher, dass es sich um die vermissten Studenten handelt.

Polizei soll direkt an der Tat beteiligt gewesen sein

Offenbar sind auch Gesetzeshüter direkt an der Tat beteiligt gewesen. Nach den vorliegenden Aussagen habe der örtliche Sicherheitschef selbst angeordnet, die Studenten festzunehmen und an den Ort zu bringen, wo später das Massengrab gefunden wurde. Der Befehl, sie zu töten, sei demnach vom Anführer der Guerreros Unidos gekommen. Dabei handele es sich um einen Mann, der El Chuky genannte werde. Die Bande wurde einst als bewaffneter Arm des Drogenkartells Beltrán Leyva gegründet und dürfte mittlerweile auf eigene Rechnung arbeiten.

Die Verdächtigen hätten gestanden, dass 30 in den vergangenen Tagen festgenommene Polizisten ebenfalls in Diensten der Bande stünden. Sowohl der Bürgermeister, José Luis Abarca, als auch der Sicherheitschef von Iguala befinden sich auf der Flucht.

Die Polizei hatte am vergangenen Wochenende in Iguala zwei Kommilitonen erschossen, die bei einer Protestaktion mehrere Busse gekapert hatten. 25 Menschen wurden verletzt, die Polizei nahm 30 Beamte wegen unverhältnismäßiger Gewaltanwendung fest. Nach den Zusammenstößen verschwanden 43 Studenten auf mysteriöse Weise. Die Vermissten gehören dem Lehrerseminar Ayotzinapa an, das als politisch links gilt und besonders aktiv bei politischen Demonstrationen auftritt.

Angehörige der Vermissten protestierten vor der Residenz von Guerreros Gouverneur Ángel Aguirre. "Warum ist Präsident (Enrique) Peña Nieto nicht hier? Es sind 43 und nicht zwei Opfer, und es sind keine Straftäter, sondern Studenten", kritisierte der Vater eines Studenten. Guerrero gilt als der gefährlichste Bundesstaat Mexikos. Mit 61,59 Morden je 100.000 Einwohnern liegt die von der Drogenkriminalität erschütterte Region, in der sich auch der beliebte Ferienort Acapulco befindet, noch weit vor den Rauschgifthochburgen Sinaloa, Michoacán und Tamaulipas.


- Anzeige -