Bangladesch: Das Leben nach der Katastrophe

Zwei Monate nach dem Fabrikeinsturz

Die 19-jährige Reshma Begum steht am Empfang des Westin, dem größten 5-Sterne Hotel in Dhaka und begrüßt Gäste. Ihr offizieller Titel lautet 'Welcome Ambassador‘, sie verdient hier rund 450 Dollar im Monat. "Ich will nie wieder in einer Textilfabrik arbeiten" hatte die Überlebende betont, nachdem sie nach 17 Tagen unversehrt aus den Trümmern des eingestürzten Fabrikgebäudes in Savar gerettet worden war.

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Zwei Monate nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch
Reshma Begum überlebte den Fabrikeinsturz vom 24. April unversehrt. © REUTERS, ANDREW BIRAJ

Zwei Monate nach dem verheerenden Fabrikeinsturz in der Nähe der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch, in dem sich mehrere Textilunternehmen befanden, beträgt die offizielle Zahl der Toten mehr als 1.100. Es wurden 2.348 Menschen verletzt, davon über 400 schwer. 28 Arbeiterinnen mussten Arm- und oder Beinamputationen über sich ergehen lassen. "Wir arbeiten eng mit dem Zentrum für Rehabilitation für Lähmungen und mit der deutschen, indischen und thailändischen Regierung zusammen, um Prothesen zu finanzieren", sagt Shahidullahl Azim, der Vizepräsident der 'Bangladesh Garment Manufactures & Exporters Association'.

Entschädigungen für die Opfer

Alle überlebenden Arbeiterinnen wurden bereits anteilig mit 4.000 EUR entschädigt. Geplant seien knapp 7.000 EUR pro Familie. Der kanadische Textilhersteller Loveless Apparel und der britische Textilhersteller Primark, dessen Lieferant im Gebäude untergebracht war, beteiligen sich an der Kompensation der Opfer. Auch das deutsche Unternehmen KIK wolle für eine Entschädigung der Opfer aufkommen, so Azim.

Nahezu 40 internationale Handelskonzerne hatten Ende Mai ein Arbeitsschutzabkommen unterzeichnet, das sich für bessere Arbeits- und Sicherheitsstandards in den Textilfabriken in Bangladesch stark macht. Eine Untersuchungskommission von 18 Experten ließ im Mai 19 von den insgesamt 950 Fabriken umgehend schließen. In den weiteren 4.000 Textilfabriken sei aber noch genug Arbeit für alle, so Azim. Der Betrieb in den meisten Fabriken laufe weiter; die Textilindustrie macht 79% der Exporteinnahmen aus. Derzeit wird noch die Vergabe der Mindestlöhne untersucht. Am 6. Juni ist ein neues Arbeitergesetz im Parlament in Bangladesch vorgestellt worden, es soll demnächst in Kraft treten. Neue Gewerkschaften gibt es ebenfalls.

Neben dem Brandschutzabkommen der internationalen Handelskonzerne wollen drei amerikanische Konzerne (GAP, Walmart, JC Penney) und die bangladeschische Regierung eigene Sicherheitsstandards kontrollieren. Eine leitende Koordination beispielsweise durch die Internationale Arbeiterorganisation ist wünschenswert, sagen Experten.

In den zwei Monaten hat sich also einiges verändert - nicht nur für Reshma.

Nadia Sattar