Bangladesch: Über 100 Menschen sterben bei Feuer in Textilfabrik

25.11.2012 | 15:41
Bangladesch Fabrik Tote Brand Nach dem verheerenden Brand in der Textilfabrik in Bangladesch beginnen die Aufräumarbeiten.

Arbeiterinnen waren in Flammen eingeschlossen

Ein Großbrand in einer Textilfabrik in Bangladesch hat mindestens 100 Menschen das Leben gekostet. Weitere 200 Menschen, vor allem Textilarbeiterinnen, seien mit Brandwunden in Krankenhäuser eingeliefert worden, sagte der Einsatzleiter. Er spricht momentan von 109 Leichen. Das Feuer war im Erdgeschoss des neunstöckigen Gebäudes etwa 20 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Schnell breiteten sich die Flammen auf die anderen Stockwerke aus und schlossen die Arbeiterinnen und Arbeiter ein.

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Mehr als 1.000 Menschen sollen nach Behördenangaben beim Ausbruch des Feuers in der Fabrik Tazreen Fashion Limited gearbeitet haben. Einige Frauen sprangen vor Panik aus den Fenstern im oberen Stockwerk, als der Feueralarm losging. Wieso der Brand ausbrach, ist bisher nicht ganz klar. Einer der Überlebenden sagte dem privaten Fernsehsender Channel I, das Feuer sei dem elektrischen Hauptschalter entsprungen: "Ein Kurzschluss könnte das Feuer verursacht haben." Die Behörden vermuten noch mehr Tote in der Ruine, sie untersuchen auch die Sicherheitsbestimmungen in der Fabrik.

Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Bangladeschs. Die meisten Exporte gehen nach Europa, allein Deutschland importierte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2011 Bekleidung im Wert von 2,8 Milliarden Euro. Der Verband der Textilhersteller und -exporteure in Bangladesch versprach den nun betroffenen Familien Entschädigung.

Die 2009 erbaute Fabrik gehört zur Tuba Group, die laut Unternehmenshomepage unter anderem für C&A, Carrefour und Walmart produziert. Auch andere deutsche Unternehmen wurden demnach von dort beliefert. Die Kapazität der Unglücksfabrik lag diesen Angaben zufolge monatlich bei einer Million T-Shirts, 800.000 Polo-Shirts und 300.000 Fleecejacken. "Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieses furchtbaren Unglücks sowie deren Familien und Angehörigen", sagte ein C&A-Sprecher.

Fabrik soll Sicherheitsvorkehrungen eingehalten haben

Laut einer Studie der Kampagne für Saubere Kleidung kam es seit dem Jahr 2005 zu sieben tödlichen Bränden und Fabrikeinstürzen in Bangladesch, bei denen insgesamt 145 Menschen starben. Die vielen Toten seien mit mangelhaften Sicherheitsmaßnahmen zu erklären. Elektrokabel hingen häufig frei im Raum, Feuerlöscher fehlten, Notausgänge verschlossen und Fluchtwege versperrt.

Ein Sprecher der betroffenen Fabrik erklärte, der Betrieb habe Standards der Europäischen Union eingehalten. So habe es etwa vier alternative Treppenaufgänge gegeben, doch die Arbeiter seien in der Panik zum Hauptausgang gestürmt und nur wenige hätten diese Notausgänge benutzt.

Erst im September gab es einen verheerenden Brand mit mehr als 259 Toten in einer Textilfabrik in Pakistan. Bangladesch war bis 1971 ein Teil Pakistans. Die pakistanische Unglücksfabrik belieferte auch den deutschen Textildiscounter Kik.

Bildquelle: dpa bildfunk