Bangladesch: Viele Tote und Verletzte nach Fabrikeinsturz

24.04.2013 | 19:58
Bangladesch: Viele Tote und Verletzte nach Fabrikeinsturz In Bangladesch ist ein achtstöckiges Fabrikgebäude eingestürzt, viele Menschen starben oder sind verletzt.

Firmenbesitzer missachtete offenbar Warnungen

In Bangladesch sind beim Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes nach offiziellen Angaben über 120 Menschen getötet und mehr als 700 Menschen verletzt worden. Rettungskräfte suchten unter den Trümmern des Rana-Plaza-Gebäudes in Savar, rund 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Dhaka, nach Überlebenden. Firmenbesitzer haben offenbar eine Warnung missachtet, keine Arbeiter hineinzulassen, nachdem am Tag zuvor ein Riss in dem Gebäude entdeckt worden sei.

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Mindestens 123 Menschen seien ums Leben gekommen, so die Polizei. Mehr als 700 Menschen seien verletzt worden, als die Textilfabrik in sich zusammenfiel. Die meisten Toten seien Frauen, die in den Fabriken im Gebäude arbeiteten. Ihre Leichen seien bis zum Nachmittag (Ortszeit) aus den Trümmern geborgen worden, sagte Ruhul Forkan vom Gesundheitsministerium. In dem Gebäude hätten sich mindestens 1.000 Menschen aufgehalten, als es am Mittwoch zusammengebrochen sei, sagte ein Feuerwehrmann am Ort des Geschehens. Mehr als 100 Menschen seien gerettet worden.

Mit Rettungssanitätern, Polizei und Armee werde versucht, die Menschen aus den Trümmern zu befreien. Problematisch sei jedoch, dass sich viele Schaulustige an der Unglücksstelle versammelt hätten. Die Polizei sperrte vorsorglich die Straßen in dem Viertel ab. Augenzeugen berichteten von weinenden Angehörigen, die mit bloßen Händen nach den Verschütteten graben würden.

Premierminister: Schnellstmöglich alle Verschütteten retten

Laut einem Polizeisprechersteht der Fabrikbesitzer im Verdacht, Warnungen bezüglich der Instabilität des Gebäudes missachtet zu haben. Am Tag zuvor seien Risse in den Wänden entdeckt worden. Dennoch soll der Besitzer seine Angestellten in das Gebäude gelassen haben. "Das Gebäude könnte durch fehlerhafte Konstruktion zusammengebrochen sein", sagte Innenminister Muhiuddin Khan Alamgir. Er kündigte an, die Regierung werde die Schuldigen vor Gericht bringen.

In dem achtstöckigen Gebäude waren laut Medienberichten mehrere hundert Läden, eine Bank und Textilfabriken untergebracht. Die Angaben der dort arbeitenden Menschen variieren zwischen 2.000 und 6.000. Laut Polizeiberichten sei die Rückseite der Fabrik am Morgen zusammengebrochen und innerhalb kürzester Zeit das gesamte Betongebäude in sich zusammengefallen.

Premierminister Sheikh Hasina sagte, die Tragödie sei ein tiefer Schock. Er ordnete die lokale Verwaltung zur schnellstmöglichen Rettung aller Verschütteten an. Auch Oppositionsführer Khaleda Zia brachte seine Trauer zum Ausdruck mit der Bitte, die politischen Auseinandersetzungen vorerst ruhen zu lassen.

Das Unglück ist nicht das erste in Bangladesch. Schon mehrfach gab es Feuer mit vielen Opfern. Im November waren bei Bränden mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen. Hinzu kommt, dass im Großraum Dhaka oft ohne Genehmigung Häuser errichtet und dabei Bauvorschriften ignoriert werden. Auch in der Nähe der Unglücksstelle in Savar stürzte bereits vor acht Jahren schon einmal ein Gebäude ein. Damals starben 64 Menschen. In den rund 4.500 Kleiderfabriken des Landes produzieren vor allem Frauen unter oft schwierigen Bedingungen Waren für deutsche Handelshäuser und westliche Bekleidungskonzerne. Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Textilproduzent der Welt. Die Branche erwirtschaftet 80 Prozent des Jahresexports des asiatischen Landes von 24 Milliarden Dollar.

Bildquelle: Reuters