Barack Obama zu Besuch in Südafrika

Mandelas Zustand ist "kritisch aber stabil"

Der Südafrika-Besuch von US-Präsident Barack Obama hätte sich um Themen wie Entwicklung und Wirtschaft drehen sollen. Doch die Sorge um den Nationalhelden Nelson Mandela überschattet alles. Der Gesundheitszustand von Mandela ist so schlecht, dass Obama darauf verzichtet hat, den 94-Jährigen am Krankenbett zu besuchen. Stattdessen hat er die Familie des Ex-Präsidenten getroffen, teilte das Weiße Haus mit.

- Anzeige -
Michelle und Barack Obama besuchen die Gefängniszelle von Nelson Mandela.
Michelle und Barack Obama besuchen die Insel, auf der Nelson Mandela jahrelang gefangen gehalten wurde. © Reuters, JASON REED

Das Treffen fand im Nelson Mandela Centre of Memory statt und dauerte etwa 20 Minuten. Zwei Kinder und sechs Enkelkinder Mandelas nahmen teil, nicht aber seine Ehefrau Graça Machel. Sie bedankte sich in einer Mitteilung für einen Telefonanruf und die Anteilnahme des US-Präsidenten und seiner Familie: "Ich bin geschmeichelt durch Ihren Trost und die Botschaft der Bestärkung und Inspiration, die ich Madiba schon übermittelt habe." Madiba ist Mandelas Clanname.

Den Auftakt seines Besuchs bildete ein Treffen mit dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma in Pretoria. Während des Gesprächs lobte Obama den Vorbildcharakter Mandelas. Sein Einsatz für die Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß sei ein "Leuchtfeuer" für die ganze Welt gewesen. Mandelas Kampf gegen die Apartheid "war eine persönliche Inspiration für mich, es war eine Inspiration für die Welt, und ist es noch immer". Zuma erinnerte an eine historische Parallele zwischen Obama und Mandela: Beide seien "die ersten schwarzen Präsidenten in ihrem jeweiligen Land". Sie verwirklichten den Traum von Millionen Afrikanern und Millionen Schwarzen in Amerika.

Der Zustand des erkrankten Nelson Mandela ist nach den Worten von Jacob Zuma "kritisch aber stabil". Die Regierung hoffe, "dass er schon sehr bald aus der Klinik entlassen werden kann". Der südafrikanische Nationalheld liegt seit dem 8. Juni wegen einer Lungenerkrankung im Medi-Clinic-Heart-Hospital in Pretoria.

Obama besucht Mandelas Gefängnisinsel

Auf seiner einwöchigen Afrika-Reise macht Barack Obama nun nach dem Senegal in Südafrika Station. Begleitet wird er dabei von seiner Frau Michelle und den Töchtern Sasha und Malia. Nachdem er Zuma getroffen hatte, besuchte Obama die Soweto Universität in Johannesburg. Er kündigte an, dass seine Regierung das Stipendienprogramm für afrikanische Studenten massiv ausweiten werde. Die jungen Afrikaner könnten an den besten Universitäten der USA studieren. "Ich glaube an euch", rief Obama den jungen Leuten zu. Obama betont immer wieder die Notwendigkeit, potenzielle politische afrikanische Führer gut auszubilden.

Danach besuchte Obama die ehemalige Gefangeneninsel Robben Island vor Kapstadt, auf der Mandela jahrelang war. Obama besichtige zusammen mit seiner Familie die winzige Zelle, in der der frühere Anti-Apartheid-Kämpfer die meiste Zeit seiner 27-jährigen Haft verbracht hat. Die Zelle ist lediglich mit einer dünnen Matratze und einem Toiletteneimer ausgestattet. Obama besuchte auch den Steinbruch, in dem Mandela zusammen mit anderen Anti-Apartheid-Aktivisten arbeiten musste. Das ehemalige Gefängnis ist heute ein Museum. Der heute schwerkranke Mandela wurde 1990 aus der Haft entlassen und vier Jahre später zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. Obamas Visite steht ganz im Zeichen des schwerkranken Nationalhelden. Außerdem will der US-Präsident eine politische Grundsatzrede an den Kontinent richten. Letzte Station seiner Afrika-Reise ist Tansania an der Ostküste.

Bereits vor Obamas Ankunft gab es Proteste in Südafrika. Etwa 1.000 Gewerkschafter demonstrierten in Pretoria, auf Plakaten beschuldigten sie Obama der Kriegsverbrechen. Für das Wochenende sind mehrere Demonstrationen angekündigt. Die Polizei setzte dem Nachrichtensender eNCA zufolge in Soweto Knüppel und Gummipatronen gegen einige hundert Demonstranten ein. Linke und islamische Gruppen hatten zu Protesten gegen den US-Präsidenten wegen der amerikanischen Drohnen-Einsätze und der Unterstützung Israels aufgerufen.