Bauarbeiten ohne Bauarbeiter: Schlafbaustelle, bitte melde dich!

Ramsauer kritisiert Baustellenmanagement der Länder

Mehr als 26 Jahre Stillstand und eine Autoschlange, die 15 Mal um die Erde reicht: Das ist das Ergebnis der ADAC-Staubilanz. Schuld an den schier endlosen Blechlawinen auf unseren Straßen haben oft Baustellen, an denen sich wochen-, monate-, oder gar jahrelang nichts oder nur wenig tut. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ruft deshalb dazu auf, sogenannte Schlafbaustellen auf Autobahnen seinem Ministerium zu melden. Doch die grundsätzliche Frage ist: Warum wird an so vielen Baustellen nicht gearbeitet?

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Staus werden oft durch Baustellen verursacht.
Kilometerlange Staus sind auf deutschen Autobahnen keine Seltenheit, oft verursachen Baustellen die Blechlawinen. Sogenannten Schlafbaustellen, an denen sich wenig bis gar nichts tut, sollen deshalb dem Bundesverkehrsministerium gemeldet werden. © dpa, A3794 Peter Steffen

"Sie fahren an einer Baustelle vorbei, auf der augenscheinlich keiner arbeitet und die Bagger am Straßenrand schlummern", sagte Ramsauer den 'Ruhr Nachrichten'. Fast jeder kenne die Situation, doch vielerorts ändert sich daran nichts. Vor allem den Ländern warf der Minister erheblich Defizite beim Baustellenmanagement vor. "Wir haben klare Vorgaben gemacht. Sie werden aber sehr unterschiedlich umgesetzt - vielerorts zu zögerlich oder nicht konsequent genug", bilanziert Ramsauer.

Genau diese Vorwürfe weist eines der am häufigsten von Beschwerden betroffenen Länder strikt zurück. Im Verkehrsministerium im rheinland-pfälzischen Mainz wird Ramsauer Aktionismus vorgehalten. "Wir sind in Zeiten des Wahlkampfes, jetzt kommt noch das Sommerloch dazu", sagte Sprecher Christoph Gehring. Zwar verstehe er jeden, der sich ärgere, wenn er im Stau stehe, "aber wir können die Millionen in die Instandsetzung nicht heimlich investieren." Zudem sei nicht jede Baustelle, an der nicht "Kohorten von Arbeitern" zu sehen seien, eine Schlafbaustelle.

Diese Ansicht teilt auch der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC). "Schlafbaustellen gibt es nicht. Oftmals finden die Arbeiten unter der Erde oder auch abseits der Fahrbahn statt, sodass die Autofahrer die Bauarbeiter nicht sehen. Außerdem macht es wenig Sinn, dass Bauarbeiter wochenlang zuschauen, wie zum Beispiel neubetonierte Straßen aushärten", erläutert Sprecher Klaus Reindl gegenüber RTLaktuell.de.

"Maßnahme im Sinne aller Verkehrsteilnehmer"

Doch Statistiken lügen nur selten: Laut der aktuellen Auswertung des 'Baustellenmelders' des Verkehrsministeriums entfallen 35 Prozent der rund 2.500 Beschwerden von Autofahrern, die seit dem Start der Meldestelle im Oktober 2011 eingegangen sind, auf Nordrhein-Westfalen. Rheinland-Pfalz und Niedersachsen folgen mit gut zehn beziehungsweise neun Prozent. Baden-Württemberg und Hessen kommen jeweils auf knapp acht Prozent. Auf Bayern entfallen knapp sieben Prozent der Meldungen.

Mit Hilfe der eingetroffenen Meldungen analysiert das Ministerium die gewonnenen Erkenntnisse mit den Straßenbauverwaltungen der Länder. Insbesondere die Häufung mehrerer Meldungen in einzelnen Regionen wird thematisiert. "Ziel des Bundes ist, die Dauer von Baustellen auf Autobahnen zu verkürzen und das Baustellenmanagement zu verbessern", so Ramsauer.

Deshalb fordert er die Länder dazu auf, die Vorgaben des Bundes im Rahmen der Auftragsverwaltung konsequenter umzusetzen. "Bei künftigen Ausschreibungen muss vor allem darauf geachtet werden, dass kurze Bauzeiten vertraglich festgelegt und auch umgesetzt werden." So sei wichtig, dass auf den Baustellen erst bei Dunkelheit Feierabend gemacht werde, "vor allem in der hellen Jahreszeit".

Grundsätzlich stößt die Maßnahme zur Meldung der Schlafbaustellen auch beim ADAC auf Zustimmung. "Natürlich ist der Hinweis auf den Baustellenmelder mitten im Wahlkampf aufmerksamkeitsfördernd gewählt. Aber jede Maßnahme, die dazu beitragen kann, dass sich die Baustellenzeiten auf deutschen Autobahnen verkürzen, ist im Sinne aller Verkehrsteilnehmer", bilanziert Reindl.


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