Beben vor Sumatra: Warnzentrum hebt Tsunami-Alarm auf

Erleichterung in der ganzen Region

Ein schweres Erdbeben vor Sumatra hat in der gesamten Region des Indischen Ozeans Ängste vor einem erneuten Tsunami geweckt. Menschen rannten in Panik auf die Straßen. Erinnerungen an die Katastrophe von 2004 wurden wach. Am Nachmittag atmeten die betroffenen Menschen wieder auf. Das Pazifische Warnzentrum und das zuständige indonesische Institut hoben die Tsunami-Warnung auf.

- Anzeige -
Beben vor Sumatra: Warnzentrum hebt Tsunami-Alarm auf
Tausende machten sich nach dem Erdbeben auf Sumatra mit Autos und Mopeds auf die Flucht ins Landesinnere. © dpa, Solihun

In der am stärksten betroffenen Provinz Aceh stieg der Meeresspiegel um weniger als einen Meter. Indonesiens Katastrophenschutzbehörde erklärte, das Erdbeben der Stärke 8,6 und die Nachbeben hätten nur kleine Tsunamis ausgelöst.

In Aceh herrschte nach den Beben Chaos. Der Strom fiel aus, Sirenengeheul forderte die Menschen auf, aus dem Küstenbereich zu fliehen. Entsprechend bildeten sich Staus auf den Küstenstraßen. Viele Indonesier suchten in Moscheen Zuflucht. Indonesiens Präsident Yudhoyono gab sich gelassen: "Die Situation in Aceh ist unter Kontrolle. Es gibt etwas Panik, aber die Menschen können sich auf höhergelegene Stellen retten."

Berichte über Opfer und Schäden nach dem Beben gibt es bislang nicht, wie Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister David Cameron sagte. Dieser bot umgehend Hilfe an.

Das Beben mit einer Stärke von 8,6 ereignete sich am Vormittag Mitteleuropäischer Sommerzeit etwa 500 Kilometer südwestlich von Banda Aceh an der Nordwestspitze der indonesischen Insel Sumatra in einer Tiefe von 33 Kilometern. Mehrere sehr starke Nachbeben - mindestens zwei davon stärker als 8,0 - erschütterten dieselbe Region, die auch von dem schweren Tsunami im Dezember 2004 erschüttert wurde. Damals kamen insgesamt 230.000 Menschen in 13 Ländern ums Leben. Das Beben damals hatte eine Stärke von 9,1.

Erdstöße in ganz Südostasien

Die Erdstöße waren auch in Singapur, bis in Thailands Hauptstadt Bangkok, im Süden Indiens, in Bangladesch und in Sri Lanka zu spüren. Sri Lankas Minister für Naturkatastrophen Mahinda Amaraweera forderte die Menschen auf, Ruhe zu bewahren. Falls ein Tsunami komme, sei genügend Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Der Hafen im indischen Chennai wurde geschlossen.

Verantwortliche von sechs Provinzen in Thailand forderten die Einwohner der Küstenregionen auf, sich in höhergelegene Orte zurückzuziehen. Der internationale Flughafen auf der Ferieninsel Phuket wurde geschlossen. Phuket gehörte 2004 zu den am schlimmsten betroffenen Regionen der Tsunami-Katastrophe. "Gäste aus teuren Hotels wurden auf Hügel gebracht, und die Einwohner fuhren in Autos und auf Mopeds weg. Jeder schien ruhig, die Warnung erfolgte frühzeitig", sagte Journalist Apichai Thonoy.

Bei dem neuen Beben habe es sich um eine sogenannte Blattverschiebung gehandelt, erläuterte ein Experte in der britischen BBC. Dabei verschöben sich die Platten horizontal und nicht vertikal. Somit würde weniger Wasser verdrängt und das Risiko eines Tsunami sei geringer.

Die Lage in den wichtigen Urlaubsländern am indischen Ozean wie Thailand, Sri Lanka oder den Malediven ist unmittelbar nach dem Beben relativ ruhig geblieben. "Die Tsunami-Frühwarnsysteme in den Ländern haben funktioniert", sagte eine Sprecherin des Tourismuskonzerns TUI.