Begnadigung: Vergewaltigungsopfer entgeht Haft in Dubai

22.07.2013 | 13:47
Dubai-Urteil Erstmals nach ihrer Verurteilung meldete sich die offenbar vergewaltigte Marte Dalelv zu Wort.

"Erleichtert und glücklich" über die Begnadigung

Dass Marte Dalelv mutmaßlich vergewaltigt wurde, interessierte in Dubai zunächst niemanden. Die 24-Jährige wurde unter anderem wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt, so sieht es das arabische Recht vor. Jetzt die Wende in dem Fall, der weltweit Empörung hervorgerufen hat: Die Norwegerin wurde begnadigt.

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"Jetzt bin ich frei. Endlich", sagte Marte Deborah Dalelv dem norwegischen Fernsehsender NRK. "Ich bin so überglücklich." Fast eine Woche hatte die 24-jährige Norwegerin um ihre Freiheit gebangt. Das Urteil hatte in Norwegen und anderen Ländern Empörung ausgelöst. Menschenrechtsorganisationen schlugen Alarm, mehr als 50.000 Menschen unterschrieben eine Petition für die Rücknahme des Urteils im Internet. Dem Druck der Presse und dem Drängen der norwegischen Regierung sei es zu verdanken, dass Marte so schnell begnadigt wurde, sagte der norwegische Außenminister Espen Barth Eide.

Sie habe ihren Pass zurückbekommen und könne Dubai verlassen, so Barth. Er bedankte sich via Twitter bei allen, die die Bemühungen um ihre Freilassung unterstützt hatten. Der norwegische Botschafter in Dubai, Åse Bjerke, sagte der Nachrichtenagentur NTB allerdings, es sei noch nicht entschieden, wann die junge Frau aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Hause reisen werde. Doch Marte Deborah Dalelv will so schnell wie möglich zurück ins elterliche Tønsberg, etwa 100 südlich von Oslo. "Ich will nach Hause zu Mama."

"Du weißt, dass dir niemand glauben wird"

Dass Frauen in arabischen Ländern weniger Rechte haben, ist bekannt. Der Fall aus Dubai erregte trotzdem besonders viel Aufsehen. Marte Dalelv steht noch immer unter Schock. In einem norwegischen Hilfszentrum in Dubai hatte sie zunächst Zuflucht gefunden nach den Erlebnissen der letzten Wochen. Ein Mitarbeiter dort sagte dem Fernsehsender 'BBC', Dalelv sei "erleichtert und glücklich" über die Begnadigung.

Seit zwei Jahren arbeitet die 24-Jährige als Innenarchitektin in dem Emirat. Nach einer Firmenfeier soll ein Kollege ihr dort Schreckliches angetan haben. "Ich bin aufgewacht und merkte, dass ich vergewaltigt wurde. Dann bin ich in die Lobby des Hotels gegangen und bat die Angestellten, die Polizei zu rufen. Sie fragten mich, ob ich ganz sicher sei", erinnert sie sich. Die 24-Jährige bestand darauf.

"Am Ende, als sie mich fragten: Sind sie vielleicht zur Polizei gegangen, weil ihnen der Sex nicht gefallen hat? Da dachte ich nur: 'Oh nein!'" Vor der Justiz in Dubai wird aus dem Opfer eine Schuldige. Laut der Scharia, dem islamischen Gesetz, ist außerehelicher Geschlechtsverkehr verboten. Dass Marte mutmaßlich vergewaltigt wurde, interessierte die Richter zunächst nicht. Das vorläufige Urteil lautete: 16 Monate Gefängnis.

Als sie die Tat bei der Polizei angezeigt hatte, habe man ihr gesagt: "Du weißt, dass dir niemand glauben wird." Das sagte sie der Boulevardzeitung 'Verdens Gang'. Daraufhin sei sie festgenommen worden. Die britische BBC berichtete, der Kollege, den Dalelv angezeigt hatte und der wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs zu 13 Monaten Haft verurteilt worden war, sei ebenfalls begnadigt worden.

"Ich bin an die Öffentlichkeit gegangen, weil ich hoffe, dass wir der Welt zeigen können, dass das falsch ist. Wir sollten das nicht so akzeptieren", so Dalelv. Ihr Anwalt hatte Berufung eingelegt. Die 24-Jährige hatte gehofft, dass der öffentliche Druck ihr bei der Verhandlung hilft. Denn um das weltoffene Image Dubais nicht zu gefährden, haben die Richter in Dubai schon öfter Milde walten lassen.