Benedikt XVI. in Mexiko und Kuba - Gratwanderung für das Evangelium

Papst verspricht Beitrag der Kirche zum Drogenkampf

Zehntausende Gläubige haben Papst Benedikt XVI. bei seinem ersten Besuch im katholisch geprägten Mexiko einen begeisterten Empfang bereitet. Zu Beginn seines dreitägigen Aufenthaltes säumten die Menschen die 35 Kilometer lange Strecke durch die zentral gelegene Stadt Leon, wo das Kirchenoberhaupt von Präsident Felipe Calderon empfangen wurde.

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Papst, Mexiko, Kuba
Papst Benedikt XVI. ist in Mexiko von Präsident Felipe Calderon empfangen worden. © REUTERS, OSSERVATORE ROMANO

Eines der großen Themen der Reise ist die Gewalt von Drogenbanden, der Zehntausende Menschen zum Opfer gefallen sind. "Wir müssen alles tun, dieses zerstörerische Böse zu bekämpfen, das sich gegen die Menschheit und die Jugend richtet", sagte Benedikt auf dem Weg in das mittelamerikanische Land. "Es ist die Aufgabe der Kirche, das Gewissen zu bilden, zur moralischen Verantwortung anzuhalten und das Böse zu entlarven, die Vergötterung des Geldes zu demaskieren, die den Menschen versklavt, und die falschen Versprechen der Drogen, ihre Lügen und der damit verbundene Betrug." In den vergangenen fünf Jahren wurden in Mexiko bei Revierkämpfen von Drogenbanden und Auseinandersetzungen mit der Polizei rund 50.000 Menschen getötet.

Höhepunkt seines Besuches ist eine Sonntagsmesse unter freiem Himmel. Mexikos Bischöfe erwarten etwa 600.000 Gläubige zu dem Gottesdienst und eine Botschaft Benedikts an ganz Lateinamerika und die Karibik. Der Besuch fällt in die Zeit des Wahlkampfes um die Präsidentschaft in Mexiko, der offiziell am 30. März beginnt. Alle Bewerber um die Präsidentschaft haben ihre Teilnahme an der päpstlichen Messe in der Stadt Leon zugesagt.

Benedikt könnte auf Kuba auch Fidel Castro treffen

Bei der anschließenden Kuba-Etappe muss Benedikt noch mehr jedes Wort abwägen - und er steht dabei im Schatten seines Vorgängers Johannes Paul II.. Dieser hatte dem sozialistischen Staat 1998 einen historischen Besuch abgestattet und mit seinem Credo die Gläubigen gestärkt: "Auf dass sich Kuba der Welt öffne und die Welt sich Kuba!" Der polnische Papst las Fidel Castro und den Kubanern kräftig die Leviten, forderte Bewegungsfreiheit für die Kirche und die Freilassung politischer Gefangener. Das US-Embargo gegen den auch deshalb so stark verarmten Karibikstaat hatte Rom immer verurteilt.

Diese Gratwanderung zwischen Kritik an den Menschenrechten und am Embargo kann Benedikt nun fortsetzen - genau ein halbes Jahrhundert nach der Exkommunikation Fidel Castros durch den Vatikan. Doch auch ein Überraschungsbesuch Benedikts bei Fidel Castro erscheint möglich.

Der Vatikan betont aber zunächst einmal den "pastoralen Charakter" des Benedikt-Besuchs auf der Insel mit den Stationen Santiago de Cuba und Havanna. Pastoral ist in der Tat der eigentliche Anlass: Es ist der 400. Jahrestag der Entdeckung des Gnadenbildes der Muttergottes der Barmherzigkeit von Cobre. Kubaner auf der Insel und jene im Exil verehren diese "Liebe Frau von Cobre", verleihen ihr einen religiösen Kultstatus. Sie ist die Nationalheilige Kubas geworden, die auch von den aus Afrika stammenden Religionen verehrt wird.

Neben der Fahrt zum beliebten kubanischen Wallfahrtsort trifft Benedikt Präsident Raúl Castro. Er feiert zwei Messen mit den Katholiken, die zweite kurz vor dem Ende der Reise auf dem Platz der Revolution in Havanna. Es wird seine letzte Gelegenheit sein, auf der Insel erfolgreich eigene Akzente zu setzen und die Vermittlerrolle der kubanischen Kirche zwischen Regierung und Opposition zu stärken.


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