BER-Debakel nimmt kein Ende: Flughafengesellschaft sitzt Hochstapler auf

Chefplaner war offenbar gar kein Ingenieur

Das Desaster um den Bau und die Inbetriebnahme des Berliner Hauptstadtflughafens (BER) nimmt offenbar kein Ende: Bei der Planung der Entrauchungsanlage ist die Flughafengesellschaft laut einem Bericht des Magazin 'Stern' offenbar einen Hochstapler aufgesessen. Demnach ist der im Frühjahr entlassene ehemalige Planer der Anlage, Alfredo di Mauro, gar kein Ingenieur, sondern lediglich Geselle.

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Vertrauliche BER-Akten im Müll
In unbewachten Containern wurden Akten zum Bau des neuen Berliner Hauptstadtflughafen gefunden. © dpa, Paul Zinken

"Ich hatte Visitenkarten, wo das drauf stand. Das war ein Fehler", sagte di Mauro. "Die haben mich alle für einen Ingenieur gehalten. Ich habe da nicht widersprochen." Er hob hervor, dass er faktisch Ingenieurleistungen erbracht, die Brandschutzanlage aber nicht allein geplant habe. Daran seien 40 bis 50 Fachleute beteiligt gewesen.

Sein Anwalt bestätigte dem Blatt, dass sein Mandant lediglich über einen Gesellenbrief als technischer Zeichner verfüge. In Berlin herrschte dagegen die allgemeine Annahme, dass di Mauro Ingenieur sei. Anfang Mai beendete Flughafenchef Hartmut Mehdorn die Zusammenarbeit mit dem 52-Jährigen aufgrund von Planungsmängeln – dabei stand bereits ein Jahr zuvor fest, dass die Entrauchungsanlage die Hauptursache für den mehrmals geplatzten Eröffnungstermin ist.

Wie es zu einer Einstellung di Mauros kommen konnte und wie er seinen angeblichen Ingenieurs-Abschluss belegt hat, ist bisher unklar. Dabei ist der Mann keineswegs ein unbeschriebenes Blatt: Bereits 2002 wurde dem Offenbacher vorgeworfen, maßgeblich an der Fehlplanung des Ärztezentrums in seiner Heimatstadt beteiligt gewesen zu sein. In der Tiefgarage des Baus hatte sich angeblich aufgrund einer Fehlplanung di Mauros ein See gebildet. Während eine Ärztin dem 'Stern' bestätigte, dass sich di Mauro als Architekt beim Sieben-Millionen-Projekt vorstellte, wies der 52-Jährige alle Vorwürfe strikt zurück.

Weder habe er sich beim Projekt in Offenbach als Architekt vorgestellt, noch sei sein Ingenieursabschluss in Frage zu stellen. Der Vorwurf der Hochstapelei sei vielmehr "völlig absurd". Bereits seit sieben Jahren arbeitete er für das Flughafenprojekt und sei dort als freier Mitarbeiter für eine Ingenieursfirma tätig gewesen. Für diese Firma habe er den größten Komplex des Flughafens geplant – und dies nach der Insolvenz des Unternehmens in Form eines eigenen Ingenieursbüros fortgeführt.

BER-Akten in Container gefunden

Indes stellt sich die Frage, ob in Berlin vertrauliche, gar sicherheitsrelevante Unterlagen des Hauptstadtflughafens auf der Straße herumlagen. Nach dem Fund zahlreicher Ordner mit Akten zum BER-Bau in unbewachten Containern erstattet der Betreiber Anzeige gegen Unbekannt. "Offensichtlich stammen die Akten aus einem Planungsbüro, das früher für die Flughafengesellschaft arbeitete", teilte ein Flughafensprecher mit. Er sprach von einem eklatanten Verstoß gegen vertragliche Pflichten und einem Bruch der Vertraulichkeit.

Die Ordner waren am Montag auf einer Straße im Berliner Bezirk Lichtenberg entdeckt worden und wurden von der Polizei abgeholt. Der Fundort liegt in der Nähe des früheren Standorts der JSK Architekten. Das Büro hatte in der Planungsgemeinschaft PG BBI gemeinsam mit dem Hamburger Büro des Flughafen-Architekten Meinhard von Gerkan, GMP, auf der Baustelle gearbeitet. Nach der geplatzten Eröffnung wurde die PG BBI entlassen, JSK meldete im vergangenen Herbst Insolvenz an.

Laut 'Berliner Zeitung' handelt es sich bei den Unterlagen um Planungs- und Kontrollberichte der Architektengemeinschaft. Sie enthielten demnach detaillierte Angaben etwa zu Fahrstühlen und Starkstromanlagen sowie Grundrisse des Fluggastterminals. Medienberichten zufolge nahmen Passanten Ordner aus den Containern mit, bevor die Polizei sie abholte. Die Beamten machten zum Inhalt der Unterlagen bisher keine Angaben.

Die PG BBI hatte nach ihrer Kündigung 2012 kistenweise Pläne und andere Unterlagen von der Baustelle mitgenommen. Der Flughafen forderte sie zurück. GMP beharrte zuletzt darauf, dem Betreiber alle geforderten Unterlagen übergeben zu haben. Beide Seiten ringen gerichtlich um Schadenersatz für das Flughafendebakel.


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