Bereitschaftsdienst: Ärzte im Notfall nicht erreichbar

02.06.2012 | 07:59
Bereitschaftsdienst, Notfallnummer, Wartezeiten Bei der neuen Notfallnummer 116 117 kommt es zu viel zu langen Wartezeiten. Patienten beschweren sich.

Hotline: Stundenlange Wartezeiten

"Krankheiten kennen keine Sprechzeiten" – so lautet der Slogan des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung. Seit Mitte April 2012 wird dort die kostenfreie Hotline 116 117 angeboten, die deutschlandweit kranken Menschen, zum Beispiel am Wochenende, wenn keine Arztpraxis mehr geöffnet hat, mit Rat und Tat zur Seite steht. Doch schon jetzt ist klar: Krankheiten kennen zwar keine Sprechstunden mehr, dafür aber stundenlange Wartezeiten. Immer öfter hängen Patienten im Ernstfall zu lange in der Warteschleife der neuen Hotline und erreichen niemanden unter der angegebenen Nummer.

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Eigentlich sollten die Anrufer unter der Nummer zu in Deutschland niedergelassenen Ärzten durchgestellt werden, die Tag und Nacht rund um die Uhr zur Verfügung stehen. In dringenden Notfällen wird sogar eine ambulante Behandlung angeboten. Die Realität sieht allerdings anders aus: Aufgrund von Personalmangel im Callcenter kommt es zu Wartezeiten von bis zu zweieinhalb Stunden und in vielen Fällen verläuft die Kommunikation zwischen den Callcenter-Mitarbeitern und den Notärzten vor Ort sehr schleppend.

Personalstärke soll erhöht werden

So erging es auch Carmen Offergeld. Sie suchte schnelle Hilfe für ihren Großvater, vertraute dem ärztlichen Bereitschaftsdienst und wählte die 116 117 immer und immer wieder. Über Stunden war dort allerdings niemand zu erreichen. Sie wurde durch eine Mailbox abgewimmelt oder flog gleich aus der Leitung. Erst zweieinhalb Stunden später nahm im Callcenter jemand das Gespräch entgegen. Carmen bekam die Handynummer des Notarztes an ihrem Wohnort. Doch für ihren Opa kam jede Hilfe zu spät - er starb.

Der Ärztekammer Nordrhein sind die Probleme mittlerweile bekannt. Sie verspricht, die Personalstärke zu erhöhen. "Wir wissen, dass es Engpässe gibt, nehmen es ernst - wir müssen die ambulante ärztliche Versorgung sicherstellen und arbeiten daran", sagte Dr. Peter Potthoff.

Solange diese Personalprobleme nicht behoben sind, sollten Patienten in äußerst dringenden Situationen doch lieber zu den altbewerten Nummern zurückgreifen. Die 110 für den Polizei-Notruf oder die 112 für Fälle, in denen Lebensgefahr besteht. Die 116 117 bietet demnach nur Hilfe für Menschen mit kleineren Krankheiten und Zwischenfällen ohne Lebensgefahr, wie bei einer Erkältung.

Bildquelle: dpa bildfunk