Bergung geglückt: Die 'Costa Concordia' steht

"Besser hätte es nicht laufen können"

Es hat geklappt: Die "Costa Concordia" ist wieder aufgerichtet. Am frühen Morgen meldete der italienische Zivilschutzchef Franco Gabrielli: "Der Bergungseinsatz ist abgeschlossen." In einem 19 Stunden dauernden Manöver hoben Techniker das vor mehr als eineinhalb Jahren vor der Insel Giglio havarierte riesige Kreuzfahrtschiff aus seiner Schräglage.

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'Costa Concordia'
Aufgerichtete 'Costa Concordia': Schäden sind deutlich sichtbar. © dpa, Riccardo Dalle Luche

"Heute haben wir einen entscheidenden Schritt getan, um das Schiff wegzuschleppen", sagte Gabrielli. Und der Leiter des technischen Teams der Reederei Costa, Franco Porcellacchia, ergänzte: "Besser hätte es nicht laufen können." Anwohner, die die spektakulären Arbeiten beobachteten, klatschten erleichtert Beifall.

Am Montagmorgen gegen neun Uhr hatte die "Operation Parbuckling" begonnen. Millimeter für Millimeter wurde der Stahlkoloss mit Seilen, Flaschenzügen und Schwimmkörpern in die Senkrechte gebracht. Am Dienstag kurz nach vier Uhr in der Frühe konnte Gabrielli verkünden: "Das Schiff sitzt auf seinem Unterbau." Nun soll das Wrack, das seit dem 13. Januar 2012 auf einem Felsen vor der italienischen Ferieninsel lag, stabilisiert werden. Vermutlich im Frühjahr soll die "Costa Concordia" in einen nahe gelegenen Hafen geschleppt und verschrottet werden. Ein Jahr lang hatten Spezialisten das Mammut-Projekt vorbereitet.

"Es war ein Kampf, ein bisschen wie eine Achterbahn"

Es ist die bisher teuerste Bergung eines Schiffswracks, die Kosten werden auf mehr als 600 Millionen Euro geschätzt. Noch nie zuvor haben Ingenieure mit dieser speziellen Technik ein derart großes Schiff unter solch schwierigen Bedingungen geborgen. So bestand die Gefahr, dass das Schiff auseinanderbrechen könnte. Die "Costa Concordia" ist dreimal so lang wie ein Fußballfeld, mehr als doppelt so groß wie die "Titanic" und wiegt mehr als 100.000 Tonnen.

Nun wollen Experten eine Bestandsaufnahme machen. "Die Seite der Concordia hat viele Schäden, aber es ist keine unüberwindbare Situation", sagte Porcellacchia. Bis zum Frühjahr oder Sommer 2014 soll der Kreuzfahrtkoloss schwimmfähig gemacht und weggeschleppt werden. "Es ist schwierig, eine präzise Vorhersage zu machen, aber ich denke, das ist realistisch", betonte Porcellacchia. "Sie war stark genug, um aufgerichtet zu werden, sie ist auch stark genug fürs Abschleppen", sagte Ingenieur Nick Sloane, der die riskante Aktion gesteuert hatte.

Als das Wrack endlich wieder aufrecht im Wasser stand, waren die Einwohner von Giglio erleichtert. "Ich verspüre eine tiefe Zufriedenheit, das war heute ein großartiges Ergebnis nach einem Jahr intensiver Arbeit", sagte Bürgermeister Sergio Ortelli. Auch das Bergungsteam, das mit Applaus und Jubelrufen auf der Insel empfangen wurde, atmete auf. "Es war ein Kampf, ein bisschen wie eine Achterbahn, aber für das Team war es fantastisch", sagte Projektleiter Sloane.

Bei der Havarie waren 32 Menschen ums Leben gekommen, darunter zwölf Deutsche. Dem Kapitän Francesco Schettino wird vorgeworfen, das Schiff mit 4.200 Menschen an Bord zu nahe an die Küste manövriert zu haben. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung und des vorzeitigen Verlassens des Schiffes verantworten.


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