Bergungsarbeiten an der 'Rena': Kritische Phase

Niels Büngen berichtet aus Neuseeland

Helikopter kreisen am Mittag über der Rena. Die neun Bergungskräfte werden über Spezialwinden von Bord geholt. Die Arbeit wurde wegen des schlechten Wetters zu gefährlich. Das Abpumpen musste erneut unterbrochen werden. Für die nächsten zwölf Stunden bleibt die Rena sich selbst überlassen. Ein Auseinanderbrechen scheint nur noch eine Frage der Zeit.

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Kritische Phase: Abpumpen des Öls von der 'Rena' wurde unterbrochen
Erneut müssaen die Bergungsarbeiten an der havarierten 'Rena' unterbrochen werden. © REUTERS, HO

Verkehrsminister Steven Joyce warnt die Menschen vor einer kritischen Phase: Die nächsten 24 Stunden seien entscheidend, so Joyce. Seit Tagen klaffen gewaltige Risse in beiden Seiten des Schiffs. Erst 90 Tonnen Schweröl wurden bis heute abgepumpt. Das Öl mit einer Konsistenz von dickflüssigem Gelee wird durch einen 150m langen Schlauch gepumpt – dieser hat nur einen Durchmesser von acht Zentimetern.

Katastrophe für Tierwelt

350 Tonnen giftiges Schweröl sind bereits in das Meer geflossen. Etwa 1.200 Tonnen sind weiter in den Tanks. Bricht die Rena tatsächlich auseinander, droht weiteres Öl ins Meer zu fließen. Die Bergungsteams rechnen mit dem Schlimmsten. Einsatzleiter Bruce Anderson sagt, sollte die Rena in zwei Teile zerbrechen, würden große Schlepper versuchen, den hinteren Teil des Schiffes in möglichst flache Gewässer zu ziehen. Nichts fürchten die Experten mehr, als ein Absinken der Tanks auf den Meeresgrund. Das würde das Abpumpen des Öls zwar nicht unmöglich, aber erheblich komplizierter machen.

Die Bewohner hier an der Küste sind bereits mit ihren Nerven am Ende. Seit fast zwei Wochen schrammt der havarierte Frachter auf dem Riff hin und her. Schon jetzt ist es die größte maritime Umweltkatastrophe in der Geschichte Neuseelands. Für die Tierwelt hier in der Bucht ist es schon jetzt eine Katastrophe: Mehr als 1.300 Seevögel sind bereits gestorben. Täglich finden die etwa 4.000 freiwilligen Helfer ölverklebte Pinguine. Die Bay of Plenty ist ein Paradies für Delfine und Pinguine - sogar Wale ziehen hier ihre Jungen auf.