Bericht: Obama ordnete Stuxnet-Attacken auf den Iran an

01.06.2012 | 19:49
Stuxnet, Cyber-Attacke, Iran, USA War der Stuxnet-Wurm ein Teil eines geheimen Cyberwar-Programms, das von US-Präsident Obama persönlich betreut wurde?

Weißes Haus schweigt

Die Attacken mit dem Computerwurm Stuxnet auf iranische Atomanlagen haben vor knapp zwei Jahren IT-Sicherheitsexperten aufgeschreckt. Jetzt schreibt die 'New York Times', Stuxnet sei Teil eines geheimen Cyberwar-Programms gewesen, das von US-Präsident Obama persönlich betreut worden sei.

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Auch als Stuxnet im Sommer 2010 an die Öffentlichkeit gelangte, habe Obama die Geheimaktion mit dem Codenamen "Olympic Games" (Olympische Spiele) noch beschleunigt. Das schreibt der Washingtoner Chefkorrespondent der Zeitung, David E. Sanger, in seinem Buch. Er beruft sich dabei auf Informationen aus Sicherheitskreisen. Das Weiße Haus wollte dazu nicht Stellung nehmen. Er könne den Bericht weder bestätigen noch dementieren, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest.

Zugleich wies Earnest Fragen zurück, ob es sich um eine "gezielte Indiskretion" handele. "Solche Informationen sind aus gutem Grund geheim. Sie zu veröffentlichen würde eine Bedrohung für unsere nationale Sicherheit darstellen." Unter den Quellen von Sanger befinden sich nach seinen Angaben auch Personen, die bei einem Krisentreffen nach der Entdeckung von Stuxnet dabei gewesen waren. "Sollten wir die Sache jetzt stoppen?", habe Obama dort gefragt.

Da aber unklar gewesen sei, wie viel die Iraner über die Schadsoftware wussten, sei beschlossen worden, weiterzumachen. In den Wochen darauf sei die iranische Atomfabrik in Natanz mit einer neueren Version von Stuxnet angegriffen worden und dann mit einer weiteren. Die letzte Attacke habe rund 1.000 der damals 5.000 Zentrifugen zur Urananreicherung zeitweilig außer Betrieb gesetzt.

Neue Art der Kriegsführung

Stuxnet war ein hochentwickelter Computerwurm, der ausschließlich auf eine bestimmte Konfiguration von Siemens-Industriesystemen zugeschnitten war. Experten gehen davon aus, dass er geschrieben wurde, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Da der Arbeitsaufwand für ein derartiges Programm immens hoch ist, vermuten viele Spezialisten Staaten oder zumindest eine staatlich unterstütze Gruppe hinter dem Angriff. Dem Buch zufolge waren - wie schon vermutet - amerikanische und israelische Computerexperten am Werk. Um Stuxnet zu testen, sei eine "virtuelle Kopie" der Natanz-Anlage in den USA eingerichtet worden.

Die Auswirkungen der Cyberangriffe seien umstritten, schreibt Sanger, der eineinhalb Jahre für das Buch recherchierte. Im Weißen Haus gehe man davon aus, dass das iranische Atomprogramm um 18 bis 24 Monate zurückgeworfen worden sei. Andere Experten seien skeptischer und glaubten, dass die iranischen Wissenschaftler die Anreicherung wieder schnell hochgefahren haben und das Land heute über genug Material für fünf oder mehr Atomwaffen verfügen könnte.

Obama sei bewusst gewesen, dass er mit der Aktion eine neue Art vor Kriegsführung entfesseln könne, heißt es unter Berufung auf Teilnehmer der geheimen Treffen. Seine Sorge sei gewesen, dass mit dem amerikanischen Eingeständnis von Cyberattacken auch andere Länder oder Terroristen dazu greifen könnten. Zugleich habe er gehofft, mit den Computerangriffen einen israelischen Militärangriff auf den Iran verhindern zu können, der einen großflächigen Regionalkonflikt zur Folge haben könnte. Wenn die Cyberattacke versage, werde es keine Zeit mehr für Sanktionen und Diplomatie geben, habe Obama gewarnt.

Entdeckt worden sei Stuxnet als Folge eines Software-Fehlers, schreibt Sanger. Der Computerschädling, der die Anlage in Natanz eigentlich nie verlassen sollte, nistete sich dadurch auf dem Computer eines Ingenieurs ein. Als dieser den Rechner später ans Internet anschloss, erkannte Stuxnet demnach nicht, dass der Computer nicht mehr in der Atomanlage ist, und begann, sich auszubreiten. Nach Darstellung von Sangers Quellen soll der Fehler in einer Stuxnet-Modifizierung der israelischen Partner gesteckt haben.

Das Cyberwar-Programm sei noch zu Zeiten von Obamas Vorgänger George W. Bush aus der Taufe gehoben worden. Erst in der Amtszeit des aktuellen Präsidenten hätten aber amerikanische und israelische Computerexperten endgültig den komplexen Wurm fertiggestellt. Obama habe das Programm betreut und jeden weiteren Schritt persönlich autorisiert, schreibt Sanger.

Bildquelle: dpa bildfunk