Bericht zur Organisierten Kriminalität: Mehr kriminelle Banden in Deutschland

02.10.2014 | 09:59
Der Polizei fällt es immer schwerer gegen das organisierte Verbrechen durchzugreifen. Die Chefs der kriminellen Banden sitzen oft im Ausland. Das erschwert die Arbeit der Polizei.

Chefs der Banden sitzen oft im Ausland

Der neue Bericht zur Organisierten Kriminalität ist nicht unbedingt beruhigend – im Gegenteil: "Die Verbrecher sind unter uns. Die organisierte Kriminalität steht vor unserer Tür", sagte der Chef des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke bei der Vorstellung der Untersuchung. Auffällig dabei: In Deutschland sind immer mehr kriminelle Banden aktiv. Die Gangs kontrollieren den Waffenhandel, den Drogenhandel, die Prostitution, den Organhandel, die Internetkriminalität und vieles mehr.

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Wohnungsdiebstähle werden meist nicht mehr von regionalen Banden begangen, sondern von Profis. Diese stammen meist aus Osteuropa. "Das sind frühere Kader der Nachrichtendienste aus der ehemaligen Sowjetunion. Da wird in Brigaden eine Struktur aufgebaut, die dazu führt, dass deutschlandweit Einbrüche gesteuert werden", so Ziercke.

Weil die Chefs der Banden meist im Ausland sitzen, ist es für die Polizei umso schwieriger, an sie heranzukommen. Deswegen sieht Innenminister Thomas de Maizière eine verstärkte internationale Zusammenarbeit vor.

Verbrecher haben Einfluss auf höchste Ebenen

Vorbild dafür ist Europol, dort arbeite die Polizei europaweit. Die Operation 'Archimedes' führte im September zu mehr als 1.000 Festnahmen. Die Verdächtigen sollen in Drogen- und Waffenhandel, Betrug und Geldwäsche verstrickt sein. "Der Erfolg zeigt, im Kampf gegen organisierte Kriminalität sei internationale Zusammenarbeit absolut notwendig", so de Maizière.

Experten für organisierte Kriminalität wie Jürgen Roth bezweifeln allerdings den Erfolg einer Zusammenarbeit. Sie geben zu bedenken, dass ein Großteil des organisierten Verbrechens in Ländern sitzt, in denen der Einfluss der Verbrecher in höchste Ebenen reicht. "In Ländern wie Albanien oder Rumänien ist die Verbindung dieser kriminellen Verbindungen in Staatsapparat, in den Polizeiapparat, in den Justizappart sehr intensiv. Die deutschen Beamten können da noch so viel ermitteln, werden sie zu keinen Ergebnissen kommen", sagte Roth.

Außerdem fehle es den Behörden an Mitteln und an Personal. Auch funktioniere die interne Zusammenarbeit nicht so, wie sie sollte. Der ehemalige Oberstaatsanwalt Egbert Bülles fordert aus diesem Grund, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Polizeidienststellen besser sein müsste.