Berlin: Baby aus Fenster geworfen - viereinhalb Jahre Haft

"Ich hätte mir eine so schlimme Tat nie zugetraut"

Diese Tat schockte ganz Deutschland: Im November 2011 brachte eine Mutter ein Kind in ihrer Berliner Wohnung zur Welt, packte den Säugling anschließend in eine Tüte und warf ihn aus dem Badezimmerfenster - 15 Meter in die Tiefe. Der kleine Junge wurde nur wenige Stunden alt und starb an 'multiplen Verletzungen' durch den Sturz. Jetzt ist das Urteil gefallen: Die 41-Jährige muss wegen Totschlags in einem minderschweren Fall aufgrund der Stresssituation bei der Geburt für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. "Sie warf ihr Kind wie Müll aus dem Fenster", sagte Richter Matthias Schertz in der Begründung.

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Aus dieser Höhe fiel der kleine Junge in den Tod.
Unfassbare Tat: Aus dieser Höhe warf die Mutter ihr Baby in den Tod. © dpa, Schuh;Florian

Aus Sicht des Gerichts hatte die Frau genug Zeit, um das Kind in einem Krankenhaus zur Welt zu bringen. "Möglicherweise habe sie sich aber derart in eine Heimlichkeit gesteigert, aus der sie nicht mehr herauskam", argumentierte Richter Schertz.

Vor dem Berliner Landgericht hatte die vierfache Mutter die Tat gestanden. "Der Vorwurf entspricht leider der Wahrheit", ließ die zierliche Frau Anfang Juni über ihre Anwältin erklären. Sie habe große Angst gehabt, dass ihr Lebensgefährte wegen der Schwangerschaft Schwierigkeiten macht. Der Mann ist der Polizei als Gewalttäter bekannt. "Ich verstehe mich selbst nicht mehr, ich hätte mir eine so schlimme Tat nie zugetraut", hieß es in der Erklärung weiter. Es tue ihr sehr leid, sie habe allen sehr wehgetan.

"Ich dachte erst, es war eine Puppe"

Rückblick: Am Abend des 19. November 2011 wurde die Facharbeiterin von Wehen überrascht. Sie hatte die Schwangerschaft aus Angst vor ihrem Lebensgefährten geheim gehalten. Der Mann habe keine weiteren Kinder gewollt. Zwei gemeinsame Söhne hatte das Paar gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Die Tat selber schilderte die Frau nicht. Nach Überzeugung des Gerichts wickelte sie den Säugling aber kurz nach der Geburt unbekleidet in ein Handtuch, legte ihn in eine Mülltüte und warf ihn aus dem 5. Stock. Das Kind starb an seinen schweren Verletzungen.

Ein Nachbar fand den Müllsack, aus dem kleine Hände und Füße ragten, am nächsten Morgen im Innenhof. "Ich dachte erst, es war eine Puppe", erinnerte sich der Pensionär. Blutbedeckte Gegenstände vor der Wohnungstür hatten das alarmierte Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) schnell auf die Spur der damals 40 Jahre alten Frau geführt.