Berliner Flughafen-Debakel: Wie groß ist der Image-Schaden für 'Made in Germany'?

Airport-Pannen "fast grauenhaft"

Am Berliner Pannen-Flughafen sind die Probleme offenbar weitaus schlimmer als ohnehin befürchtet - "fast grauenhaft" nennt Technik-Chef Horst Amann das Desaster. Doch neben den immensen Mehrkosten für den Flughafenbau steht noch weit mehr auf dem Spiel: Bislang ist 'Made in Germany' und unsere Ingenieurskunst bei Bauvorhaben in aller Welt gefragt - aber wie lange noch, wenn ein deutsches Großprojekt nach dem anderen in Schieflage gerät?

- Anzeige -
Berlin, Flughafen
Der Pannen-Flughafen Berlin: Zerstört er die Marke 'Made in Germany'? © dpa, Patrick Pleul

"Berlin und auch Deutschland haben international einen großen Reputationsverlust erlitten", meint Martin Delius (Piratenpartei), der der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum Flughafenbau im Berliner Abgeordnetenhaus ist. "Es leidet nicht nur das Ansehen von Infrastrukturprojekten sondern das der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit.“

Der immer mehr unter Druck geratene Regierende Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit (SPD) sieht das natürlich anders. "Es ist nicht so dramatisch, wie viele immer sagen. Und dass die ganze Welt über Berlin lacht, das ist auch Quatsch", so Wowereit, der dem Debakel sogar etwas Positives abgewinnt. "Wir sind stolz darauf, dass das wahrgenommen wird, was hier in Berlin passiert."

Wowereit weiter unter Druck

Für Wowereit gibt es neben zahlreichen Rücktrittsforderungen auch ein parlamentarisches Nachspiel. Er muss sich darauf einstellen, dass ihm die Opposition im Abgeordnetenhaus das Misstrauen ausspricht. Erfolg kann ein Misstrauensvotum nur bei 75 Ja-Stimmen haben, die drei Oppositionsfraktionen zusammen haben aber nur 63 Stimmen. Wowereit hatte am Montag sein Amt als Flughafen-Aufsichtschef an seinen bisherigen Stellvertreter Platzeck abgegeben, will aber weiter in Berlin regieren.

Der tatsächliche Start des Flughafens ist angesichts immer größerer Probleme völlig ungewiss. Nach der neuerlichen Verschiebung der Eröffnung will Amann derzeit nicht sagen, ob der Hauptstadtflughafen im Jahr 2014 starten kann. Die zuletzt für den 27. Oktober geplante Inbetriebnahme war am Montag auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Der bauliche Zustand der Brandschutzanlage habe sein Team "in der Tat überrascht, da gibt es heute zum Teil noch Überraschungen", sagte Amann. Bei Rauchgasversuchen im Terminal vor Weihnachten habe sich gezeigt, dass die Entrauchungsanlage "nicht auf Anhieb funktioniert" und zeitraubende Nacharbeiten nötig seien.