Berliner Polizei twittert 24 Stunden jeden Einsatz: "Mann streift ohne Hose durch Mitte"

Von Lärmbelästigungen bis Prügeleien

Die Berliner Polizei hat Nachwuchssorgen. Mit einer Live-Aktion will die Behörde nun einen Einblick in ihre tägliche Arbeit geben. Seit Freitagabend twitterten die Polizisten 24 Stunden lang jeden ihrer Einsätze. Viele Berliner verfolgen das Geschehen über ihre Smartphones. RTL-Reporterin Nina Lammers war dabei.

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Berliner Polizei twittert
Die Polizei sendete von ihrer Zentrale aus zu jedem ihrer Einsätze über den Kurznachrichtenkanal Twitter eine Mitteilung. © dpa, Rainer Jensen

In der Polizeileitstelle twittert ein fünfköpfiges Team die Einsätze in dieser Nacht. Hinter jedem Tweet steckt ein Notruf. Ein Taxifahrer in Berlin Mitte ruft die Polizei zu einer hilflosen Person. Vor Ort angekommen: Ein betrunkener Mann liegt unter einem Bus, hat sich dort schlafen gelegt. Er ist eingeklemmt, die Polizisten müssen ihn befreien. "Ganz schön irre, welcher Wahnsinn alle paar Minuten in der Stadt passiert", kommentiert einer der vielen tausend Follower den Einsatz.

"Streitigkeiten zwischen Badegästen. #Tegel#24hBerlin", lautete die erste Mitteilung gegen 19 Uhr über den Twitterkanal '@PolizeiBerlin_E'. Danach ging es im Minutentakt unter der Kennung #24hPolizei um Einsätze - etwa wegen eines brennenden Müllcontainers, eines Zechprellers oder eines Kindes, das seine Eltern sucht. Am späten Abend und in der Nacht wurden die Menschen dann aggressiver. Immer häufiger wurde die Polizei wegen Gewalttaten gerufen.

#24hPolizei: Tausende lesen mit

Twitter-Aktion Polizei Berlin
Dieser Tweet der Berliner Polizei wurde einige hundert Mal kommentiert. © unbekannt

Auffallend oft griffen Männer ihre Ex-Freundinnen an oder schlugen auf andere Frauen ein. In Kneipen und auf Partys kam es zu Prügeleien zwischen betrunkenen Menschen. Morgens riefen viele bestohlene Menschen die Polizei zu gerade entdeckten Diebstählen. In Parks oder geparkten Autos lagen Schlafende. Immer wieder wurden Vermisste gemeldet. Dennoch mangelt es der Berliner Polizei nicht an Selbstironie, wie dieser Tweet beweist: "Motorradfahrer liefern sich ein Rennen in Mitte - waren tatsächlich schneller als wir"

"Wir hatten gut zu tun die ganze Nacht und mussten ständig am Ball bleiben", sagte Oliver Klau vom Medienteam der Polizei. Zahlreiche Leser hätten Nachfragen gestellt. Der Tweet "Ein Mann streift ohne Hose durch #Mitte" wurde sogar einige hundert Mal kommentiert. Die Zahl der Follower habe sich von 7.000 auf mehr 13.000 sehr gut entwickelt. „Unser Hauptziel ist tatsächlich mal zu zeigen, was die Polizei alles macht und zu werben für Nachwuchs“, so Stefan Redlich von der Berliner Polizei.

Auch die Werbung von Nachwuchs war erfolgreich. Viele Interessenten hätten sich telefonisch bei dem angegebenen Service-Telefon gemeldet, berichtete Klau. Die Polizei muss zahlreiche junge Leute ausbilden und einstellen, um ihre Personalstärke zu halten. Unter den vielen Bewerbern sind bisher aber nicht genügend, die alle Anforderungen erfüllen.