Bertelsmann-Studie: Arme Kinder bleiben früh auf der Strecke

Bis zu vier Mal häufiger Entwicklungsdefizite

Arme Kinder bleiben schon früh auf der Strecke und haben bei Schuleintritt bereits erhebliche Defizite. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine neue Bertelsmann-Studie. Ausgewertet wurden 5.000 Schuleingangsuntersuchungen von fünf- bis sechsjährigen Kindern aus den Jahren 2010 bis 2013. Die daraus gewonnenen Fakten geben Anlass zur Sorge:

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Studie: Armut stellt ein Risiko für die Entwicklung von Kindern dar.
Bertelsmann-Studie: Armut gefährdet die Entwicklung von Kindern. © dpa, Patrick Pleul

Sprechen schlecht Deutsch: arm: 43,2 %; übrige: nur jedes siebte Kind (11%).

Probleme beim Zählen: arm: 28 %; übrige: 12 %.

Mangelnde Koordinationsfähigkeiten: arm: jedes vierte Kind (24,5%), übrige: 15 %.

Adipös, also deutlich übergewichtig: arm: 8,8%; übrige: 3,7%

Die traurige Bilanz: Arme Kinder haben im Vergleich bis zu vier Mal häufiger Entwicklungsdefizite als Kinder aus wohlhabenderen Familien. Dabei ist Kinderarmut keinesfalls ein Randgruppenphänomen: In Deutschland wachsen mehr als 17 Prozent der unter Dreijährigen in Familien auf, die auf staatliche Stütze angewiesen sind. Mancherorts ist diese Zahl noch höher: In Nordrhein-Westfalen etwa liegt sie bei 20,7 Prozent, im Ruhrgebiet sogar bei 28,3 Prozent. Zudem leben der Studie zufolge mehr als die Hälfte (53 Prozent) der armutsgefährdeten Sechsjährigen schon seit mindestens vier Jahren in einem Hartz IV-Haushalt.

Der Kita-Besuch ist kein Allheilmittel: Auf die Mischung kommt es an

Die Antwort der Politik heißt an dieser Stelle unisono: Mehr Kita-Plätze. Und auch die Forscher teilten mit, dass die Defizite oft damit einhergehen, dass arme Kinder kaum Zugang zu sozialen und kulturellen Angeboten haben. So geht nur knapp jedes dritte arme Kind in die Kita, bei den übrigen Kindern ist es jedes Zweite (31 zu 48 Prozent). 46 Prozent der Kleinen aus finanzschwachen Haushalten sind vor der Einschulung immerhin in einem Sportverein aktiv. Doch bei den "besser gestellten" liegt diese Zahl deutlich höher: 77 Prozent. Nur 12 Prozent von ihnen lernen ein Instrument. Kinder aus finanziell unabhängigen Familien sind mit 29 Prozent dabei.

Der Besuch einer Kita könne negative Folgen von Kinderarmut verhindern, so die Forscher. Allerdings nicht automatisch. Ein Allheilmittel sei das nicht. Positive Effekte habe die Kita nur, wenn die Gruppen sozial gemischt sind - und das ist in sozialen Brennpunkten meist unmöglich. Wenn es einer Kommune nicht gelingt, bei Neuaufnahmen für eine sinnvolle soziale Durchmischung in der Kita zu sorgen, müssen die Ressourcen anders verteilt werden, raten die Autoren. "Kitas in sozialen Brennpunkten brauchen dann mehr Geld, mehr Personal und mehr Förderangebote", sagt Brigitte Mohn vom Vorstand der Stiftung.


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