Bertelsmann-Studie enthüllt: Zu wenige Erzieherinnen, zu schlechte Bildungschancen

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Viele Kinderschuhe, keine Erwachsenen. In den Kitas fehlt es massiv an Personal. © deutsche presse agentur

Personalmangel ist nur eine Hürde

Ab dem 1. August gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Soweit die Theorie. In der Praxis wird dieses Gesetz Bund, Ländern und Kommunen noch so manches Kopfzerbrechen bereiten. Denn: Es fehlen weiterhin Erzieherinnen en masse. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Bertelsmann-Studie.

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Der Personalmangel ist aber nur eine Hürde. Denn auch die Qualität der Einrichtungen gilt es zu verbessern, so die Autoren der Studie. Im bundesweiten Durchschnitt beträgt der Personalschlüssel in Krippen 1:4,5. In den ostdeutschen Krippen jedoch betreut eine Vollzeitkraft rechnerisch sechs Ganztagskinder. Nach dem von der Bertelsmann Stiftung empfohlenen Personalschlüssel (1:3) sollte eine Erzieherin nur für halb so viele Kinder verantwortlich sein.

Das einzige Land, das diese Empfehlung nahezu erfüllt, ist Bremen, wo eine Vollzeitkraft für 3,1 ganztags betreute Kinder verantwortlich ist. Die schlechteste Betreuungsrelation finden Eltern für ihre unter dreijährigen Kinder in Sachsen-Anhalt (1:6,5). "Der Westen hat nicht genug Krippenplätze, im Osten muss hauptsächlich mehr in Qualität investiert werden", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Auch für die über Dreijährigen sieht es nicht wirklich gut aus

Im Osten ist die Betreuungsquote erheblich besser als im Westen, was zum Teil an den demografischen Begebenheiten liegt, zum Teil aber auch historisch begründet ist. So sind in Thüringen 86,4 Prozent der Kinder unter drei Jahren mehr als 35 Stunden pro Woche in einer Kita. In Bayern sind es bloß 30 Prozent, in Baden-Württemberg 31. Herausragend im Westen ist das Saarland, wo 70,7 Prozent der unter Dreijährigen mehr als 35 Stunden in einer Kita verbringen.

Bei den über Dreijährigen ist die Anzahl der Plätze kein Problem mehr. 94 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe nehmen eine Kindertagesbetreuung in Anspruch. Allerdings ist auch der Personalschlüssel unzureichend. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt eine Erzieherin auf 7,5 Kinder. Im Westen liegt der Schlüssel aber bei 1:8,6, im Osten gar bei 1:11,8. Das bedeutet: Im Osten muss eine einzige Erzieherin auf drei Kinder mehr aufpassen als empfohlen.

Im Hinblick auf die Bildungschancen der Kleinen muss der Personalschlüssel schnellstmöglich verbessert werden. "Wir müssen aufpassen, dass die Jüngsten nicht zu kurz kommen, denn ihre Bildungschancen verschlechtern sich mit unzureichenden Betreuungsrelationen", sagte Dräger.

Für die Qualität von frühkindlicher Bildung ist es von entscheidender Bedeutung, wie viele Kinder eine Erzieherin zu betreuen hat. Studien zeigen: Bessere Personalschlüssel ermöglichen mehr bildungsanregende Interaktionen und Aktivitäten für die Kinder.


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