Bertelsmann-Studie zeigt: Zufriedenheit und Zusammenhalt im Osten deutlich geringer

Abstand zwischen Ost und West nimmt zu

Jahre nach der Wende gibt es noch ein großes Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland. Während rund 50 Prozent der Westdeutschen zufrieden mit ihrem Lebensstandard sind, trifft das nur auf 20 Prozent der Menschen im Osten zu. Das zeigt die Studie 'Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt' der Bertelsmann-Stiftung. Den Wissenschaftlern zufolge nimmt der Abstand weiter zu.

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Eine Bertelsmann-Studie zeigt ein großes Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland.
Nur 20 Prozent der Menschen in Ostdeutschland sind mit ihrem Lebensstandard zufrieden. © picture-alliance/ ZB, Jörg lange

Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland sei seit 1990 spürbar gewachsen – im Osten allerdings deutlich langsamer. Der Gemeinsinn in Hamburg ist demzufolge am größten. Es folgen die Südländer Baden-Württemberg und Bayern. Die ostdeutschen Bundesländer belegen die fünf letzten Plätze. Der Zusammenhalt habe sich auch im Osten verbessert, der Abstand zu den westdeutschen Ländern wachse aber, stellten die Autoren der Studie von der Jacobs University in Bremen fest. "Je höher das Bruttoinlandsprodukt eines Bundeslandes, je niedriger das Armutsrisiko, je urbaner das Wohnumfeld und je jünger die Bevölkerung, desto höher der Zusammenhalt", fasste einer von ihnen, Kai Unzicker, die Ergebnisse zusammen.

Im Osten gebe es Parallelen zu anderen ehemals sozialistischen Staaten, heißt es. "So ist das relativ geringe Vertrauen der Ostdeutschen in ihre Mitmenschen typisch für Länder, in denen zuvor eher Kontrolle das gesellschaftliche Klima bestimmt hatte." Große West-Ost-Unterschiede gibt es auch beim Thema Verteilungsgerechtigkeit. Während im Westen mehr als jeder Zweite der Ansicht ist, einen gerechten Anteil am Wohlstand zu erhalten, ist es in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt nur jeder Fünfte.

Toleranz für Homosexuelle gestiegen

Eine Gesellschaft, die zusammenhält, ist den Forschern zufolge durch "belastbare soziale Beziehungen, eine positive emotionale Verbundenheit ihrer Mitglieder mit dem Gemeinwesen und eine ausgeprägte Gemeinwohlorientierung" gekennzeichnet. Für den Vergleich werteten die Wissenschaftler Befragungsstudien und amtliche Statistik für die Jahre 1990 bis 2012 aus.

Ein weiterer Punkt der Analyse war die Akzeptanz von Vielfalt. In fast allen Bundesländern sei die Toleranz gegenüber Homosexuellen gewachsen, hieß es. Zuwanderern begegneten viele Deutsche aber nach wie vor mit großer Skepsis. Immer seltener werde akzeptiert, dass diese hier ihren traditionellen Lebensstil pflegten. Die Skepsis sei aber unbegründet, denn: "In den Bundesländern mit den höchsten Ausländeranteilen halten die Bürger am engsten zusammen."