Bertelsmann-Studie: Zuwanderer lassen Kassen des deutschen Sozialstaates klingeln

Bessere Bildungspolitik könnte Plus sogar noch vergrößern

Zwei Drittel der Deutschen sind sich sicher: Zuwanderer belasten das Sozialsystem. Durch Ausdrücke wie 'Armutsmigration' und 'Sozialtourismus' werden diese Denkmuster umso mehr befeuert. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsförderung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung kommt jetzt allerdings zu einem gegenteiligen Ergebnis: Die in Deutschland lebenden Ausländer sorgen für ein erhebliches Plus in den Sozialkassen.

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Zuwanderer lassen Kassen des deutschen Sozialstaates klingeln
Jeder Ausländer leistete 2012 einen Beitrag in Höhe von 3.300 Euro für das deutsche Sozialsystem. © dpa, Sebastian Kahnert

So sorgten die insgesamt 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass 2012 für einen Überschuss von insgesamt 22 Milliarden Euro. Das bedeutete, dass jeder Ausländer durchschnittlich 3.300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben pro Jahr zahlt als er an staatlichen Leistungen erhält.

Und damit nicht genug. Das Plus ist sogar noch ausbaufähig. Voraussetzungen dafür sind eine bessere Bildungspolitik und gesteuerte Zuwanderung. Bei gleichem Verdienst, der aus einem einheitlichen Bildungsniveau mit den Inländern resultieren würde, könnten die bereits heute in Deutschland lebenden Ausländer unter 30 über ihre gesamte Lebenszeit 118.400 Euro pro Kopf mehr an Steuern und Abgaben zahlen.

"Gute Bildungspolitik ist die beste Integrationspolitik", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Selbst erhebliche zusätzliche Bildungsinvestitionen würden sich finanziell für den Staat lohnen.

Qualifikationsniveau der Zuwanderer steigt

Mehr Geld in den Kassen bedeutet gleichzeitig auch eine Entlastung der öffentlichen Haushalte und speziell der Bürger. "Je besser qualifiziert die Zuwanderer, desto höher ihr Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Kassen", sagte der Autor der Studie, Holger Bonin vom ZEW. Um mehr als 400 Euro könnte jeder Bürger in Deutschland jährlich fiskalisch entlastet werden, wenn künftig mindestens 200.000 Zuwanderer pro Jahr nach Deutschland kämen und 30 Prozent von ihnen hoch und weitere 50 Prozent mittel qualifiziert wären.

Dem kommt zugute, dass der Mikrozensus Jahr 2009 drei Viertel aller ausländischen Neubürger zu den Hoch- und Mittelqualifizierten zählte. "Die Krise der südeuropäischen Länder hat viele gut ausgebildete Arbeitskräfte nach Deutschland kommen lassen. Das wird nicht auf Dauer so bleiben", sagte Dräger.

Der demografische Wandel übe Druck auf Sozialsysteme, öffentliche Haushalte und den Arbeitsmarkt aus. Aus dem Grund sei es wichtig, dass Deutschland ein dauerhaft attraktives Einwanderungsland werde.


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