Berufsbildungsbericht: Zehntausende Schulabgänger ohne Lehrstelle

Viele Suchende gucken in die Röhre – dabei mangelt es nicht an Angeboten

Obwohl die deutsche Wirtschaft brummt, erlebt der Lehrstellenmarkt derzeit eine historische Flaute: Immer weniger junge Menschen schaffen den direkten Weg vom Klassenzimmer ins Berufsleben. 2013 wurden nur noch 530.700 Ausbildungsverträge geschlossen - ein dickes Minus von über 20.000 Verträgen. Damit sank die Zahl auf den niedrigsten Stand seit 1976.

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Lehrlingsschwund in Deutschland: Viele Suchende gucken in die Röhe - dabei mangelt es nicht an Stellenangeboten. © picture alliance / ZB, Oliver Killig

"Es gibt immer noch zu viele Bewerber, denen der Einstieg in Ausbildung nicht unmittelbar gelingt", zitiert das 'Handelsblatt' aus dem jüngsten Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. Bei jungen Menschen, die keinen Ausbildungsplatz ergattern konnten, registrierte die Bundesagentur für Arbeit einen Anstieg um 5.400 auf 21.000. Das entspricht einer Zunahme von 34,5 Prozent. Dagegen kletterte die Zahl derer, die anstatt einer Lehrstelle ein Praktikum oder berufsvorbereitende Maßnahmen begonnen haben, um 2.200 auf 61.000 - ein Plus von 3,6 Prozent.

Dabei mangelt es nicht an Angeboten: Während Tausende Jugendliche auf eine Lehre warten, gibt es gleichzeitig 33.534 unbesetzte Ausbildungsstellen. Die Zahl sei nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit "deutlich gestiegen".

Konkurrenz durch Unis und Übergangssystem

Doch wie kommt diese Schieflage zustande? "Anders als in früheren Jahren können die Vertragsrückgänge nicht auf die konjunkturelle Entwicklung zurückgeführt werden, im Gegenteil: Die konjunkturelle Lage in Deutschland ist gut", zitiert der 'Spiegel' aus dem Berufsbildungsbericht, der zwei Gründe für die schlechte Ausbildungsquote nennt.

Zum einen nehmen gut qualifizierte Schulabgänger lieber den Weg an die Hochschulen, anstatt in die Lehrbetriebe. Erstmals gab es mehr Jugendliche, die ein Studium anfingen, als Jugendliche, die eine Ausbildung begannen. Laut Statistischem Bundesamt schrieben sich 2013 mehr als eine halbe Millionen Erstsemester an den Unis ein - das sind zwei Prozent mehr als noch 2012. Auf der anderen Seite nutzen viele junge Menschen das sogenannte Übergangssystem als Alternative zur Ausbildung.

Auch das ist ein großes Problem für Lehrbetriebe: Eigentlich ist das Übergangssystem für Schulabbrecher gedacht, die durch Schulungen fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen. Doch laut 'Spiegel' sind tatsächlich nur 19 Prozent der insgesamt 260.000 Teilnehmer ohne Abschluss. 77 Prozent hätten zumindest die Real- oder Hauptschule erfolgreich absolviert. Damit habe sich das Übergangssystem neben Hochschule und Ausbildung quasi als eigene Säule der Berufsbildung etabliert - nur, dass am Ende kein Abschluss winkt.


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