Berufungsprozess in Stendal: Zahnarzt zieht Patientin unerlaubt elf Zähne

Berufungsprozess in Stendal: Zahnarzt zieht Patientin unerlaubt elf Zähne
Elf mutmaßlich unerlaubt und unnötig gezogene Zähne beschäftigen das Stendaler Landgericht in Sachsen-Anhalt. (Motivbild) © dpa, Hans Wiedl

Elf gesunde Zähne gezogen

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Zahnarzt und dieser zieht Ihnen ohne ihr Einverständnis und ohne medizinische Notwendigkeit elf gesunde Zähne. Mit diesen Vorwürfen muss sich das Stendaler Landgericht in Sachsen-Anhalt beschäftigen.

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Auf der Anklagebank in dem Berufungsprozess wegen des Vorwurfs der Körperverletzung sitzt ein Zahnarzt. Er soll einer Frau vor drei Jahren die Zähne im Ober- und Unterkiefer ohne deren Einwilligung und ohne medizinische Notwendigkeit gezogen haben. Zum Prozessauftakt wurden zunächst medizinische Fragen erörtert, teilte ein Gerichtssprecher mit.

In einem früheren Verfahren hatte ihn das Amtsgericht Stendal wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten und verhängte ein zweijähriges Berufsverbot. Der 42 Jahre alte Mediziner ging in Berufung. Das Landgericht hat für den neuen Prozess zunächst vier Verhandlungstage geplant.

Nicht die ersten Vorwürfe

Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) in Sachsen-Anhalt sind es nicht die ersten Vorwürfe gegen den Mann. Anfang der Woche habe das Verwaltungsgericht Magdeburg ihm seine Approbation - die Erlaubnis, als Arzt zu arbeiten - entzogen. Dabei ging es um einen Fall, wo einem Patienten unter Vollnarkose gleich 20 Zähne gezogen worden waren.

Im jetzt verhandelten Fall hatte der Mann die Patientin nicht in seiner Praxis, sondern eigens in einem Krankenhaus behandelt. Das Motiv des Mannes ist unklar. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass mindestens fünf der Zähne hätten gerettet werden können.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung lässt sich mit dem Ziehen von Zähnen je nach anschließendem Ersatz mehr Geld verdienen als mit einer Reparatur. Dies hänge aber immer vom Einzelfall ab.

Der Justiziar der Kassenzahnärztlichen Vereinigung, Torsten Jahnel (KZV), sprach von einem Einzelfall. "Das kommt ganz, ganz selten vor", sagte er. "Entscheidend ist, dass der Patient ordnungsgemäß aufgeklärt ist", sagte Jahnel. "Er muss immer wissen, was mit ihm passiert." Für die Ärzte gebe es viele Fortbildungen, gegen kriminelle Energie sei man aber machtlos.