'Bestellte' sich Martin N. einen Neunjährigen von Pädophilen?

Polizei hatte ihn schon lange im Visier

Es ist ein unglaublicher Verdacht: Der geständige dreifache Kindermörder Martin N. soll bei einem Berliner Pädophilen-Ring offenbar einen neunjährigen Jungen 'bestellt' haben. Das berichtet der ‚stern’ in seiner aktuellen Ausgabe.

Nach Informationen des Magazins wurde N. in den vergangenen Wochen bereits rund um die Uhr observiert. Als die Polizei über mitgehörte Telefonate von der bevorstehenden Zuführung des Neunjährigen aus Berlin erfuhr, wurde N. in Hamburg festgenommen. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Stade wollte diesen Sachverhalt weder bestätigen noch dementieren. Noch ist unklar, ob die Hintermänner ebenfalls festgenommen wurden.

Bereits im Jahr 2008 wurde Martin N. zur freiwilligen Abgabe einer Speichelprobe gebeten worden. "Er ist der Vorladung aber nicht nachgekommen", sagte Wilhelm Möllers, Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung 'Die Welt'. Der Pädagoge konnte nicht zu einer Speichelprobe gezwungen werden, "die gesetzlichen Voraussetzungen zur zwangsweisen Entnahme lagen nicht vor." Es habe damals "keine tragfähige Grundlage für die Annahme von Wiederholungsgefahr" gegeben, erklärte Möllers.

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Martin N.: Ein Mann - zwei Gesichter

Unklar bleibt auch weiterhin der Grund, warum Martin N. drei seiner Opfer umbrachte. Experten halten es für möglich, dass Martin N. von ihnen erkannt wurde und Angst bekam. Fest steht: Der 40-Jährige hat zwei Gesichter. Das des netten, unscheinbaren Nachbarn und das eines kranken Kindermörders.

Dass sich Martin N. als Pädagoge so intensiv mit kleinen Jungs beschäftigt hat, erscheint unserem Experten Professor Böllinger unnormal. Er ist sich sicher: Der Maskenmann blendete bei der Arbeit seine "böse" Seite aus und wurde selbst zum Kind. "Martin N. zeigt ein sehr jugendliches Verhalten. Nicht, wie es für einen Erwachsenen üblich ist, der mit Kindern spielt. Sondern er verhält sich selber wie ein Kind. Er tollt da rum, schmeißt sich auf den Boden. Und ist in seinen ganzen Äußerungen wirklich, wie ein Kind. Man kann daraus schließen, er geht wirklich total auf in der Rolle eines Kindes", so Prof. Lorenz Böllinger, Kriminologe.

Dass ein pädophiler Serienmörder als Betreuer arbeitet, ist im Sommer 1995 keinem bewusst. Dennis Rostel ist eines der Opfer des Maskenmanns. Für seine Tante ist es noch immer kaum vorstellbar, dass es ausgerechnet ein Betreuer war, der eine so dunkle Seite hat. "Ich habe gedacht, da ist einer vielleicht aus der Psychiatrie ausgebrochen. So in diese Richtung war ich gewesen. Aber en Betreuer oder so... auf den wäre ich auch nicht gekommen", erzählt Brigitte Zuse, Tante von Opfer Dennis Rostel.

Auch rund um Martin N. ist angeblich nichts aufgefallen. Das perfekte anonyme Umfeld hatte er sich geschaffen. Erst jetzt, Jahrzehnte später, ist der Maskenmann endlich in U-Haft.