Betreuungsgeld im Anmarsch: Wer profitiert, wer nicht?

Betreuungsgeld
Das Betreuungsgeld ist mehr als umstritten. Wir klären auf, wer profitiert und wer in die Röhre schaut. © dpa, Patrick Pleul

Wer profitiert, wer schaut in die Röhre?

Entgegen aller Widerstände und der Kritik quer durch Arbeitgeber- und Oppositionsreihen hat der Bundestag die Einführung des Betreuungsgeldes beschlossen. Wer profitiert, wer schaut in die Röhre und um was geht es eigentlich genau?

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Wer bekommt Betreuungsgeld?

Das Geld kann für Kinder beantragt werden, die nach dem 31. Juli 2012 geboren wurden. Ausgezahlt wird es an Eltern, die ihre Kinder zwischen dem, 13. und dem 36. Lebensmonat nicht in eine Kindertagesstätte geben. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder zu Hause von den Eltern, den Großeltern oder Au-Pair-Mädchen betreut werden. Lediglich Hartz-IV-Empfänger sind außen vor. Sie erhalten zwar auch das Betreuungsgeld, diese Leistung wird aber auf das Arbeitslosengeld II angerechnet.

Ab wann gibt es das Betreuungsgeld?

Die Leistung soll ab August 2013 gezahlt werden.

Wo muss ich das Betreuungsgeld beantragen?

Zuständig sind die Elterngeldstellen der Bundesländer. Die Verwaltung ist jedoch von Land zu Land unterschiedlich geregelt: Teilweise sind die Landkreise zuständig, teilweise die Kommunen, manchmal auch besondere Behörden.

Wie viel Geld bekomme ich?

Zunächst werden 100 Euro pro Monat für Kinder im zweiten Lebensjahr gezahlt. Ab 2014 erhalten dann auch die Dreijährigen die sogenannte 'Herdprämie‘. Sie soll dann 150 Euro betragen.

Wie wird das Geld ausgezahlt?

Das Geld kann in bar ausgezahlt werden, die Eltern erhalten aber auch das Recht, das Geld zur privaten Altersvorsorge zu nutzen oder es für die Kinder anzulegen. Die Koalition nennt das 'Bildungssparen‘. Eltern, die sich für eine dieser beiden Varianten entscheiden, sollen zusätzlich einen Bonus von 15 Euro pro Monat erhalten. Allerdings müssen zu diesen Wahlmöglichkeiten noch zentrale Details geklärt werden.

Wird das Betreuungsgeld parallel zum Elterngeld gezahlt?

Nein. Der Bezug ist erst im Anschluss an das Elterngeld möglich, das 14 Monate gezahlt wird. Das Betreuungsgeld ist somit auf 22 Monate begrenzt.

Echte Wahlfreiheit oder 'Fernhalteprämie'?

Was kostet das Betreuungsgeld?

Die Kosten werden für 2013 mit 55 Millionen statt ursprünglich 300 Millionen und für 2014 mit 680 Millionen Euro statt der bisher veranschlagten 1,2 Milliarden Euro beziffert.

Welche Kritik am Betreuungsgeld gibt es?

Kritiker bemängeln, dass gerade diejenigen Kinder vom Besuch einer Kita abgehalten werden könnten, die eine frühkindliche Bildung besonders nötig hätten. Zudem würden Frauen dazu angehalten, eine Berufstätigkeit zurückzustellen. Beim Betreuungsgeld handele es sich daher um eine 'Fernhalteprämie'. Auch als 'Herdprämie' für Mütter wird die Leistung verspottet. Weiter führen Gegner an, das Geld könne für den Ausbau von Krippenplätzen sinnvoller eingesetzt werden. Die Befürworter halten entgegen, erst mit dem Betreuungsgeld werde für Eltern echte Wahlfreiheit geschaffen, sich für ein Familienmodell zu entscheiden.


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