Betroffene erzählt, wie sehr HIV ihr Leben verändert hat

01.12.2014 | 09:41
Susanne Voges trägt den HI-Virus in sich Zum Welt-Aids-Tag erzählt die HIV-Kranke Susanne Voges ihre Geschichte.

Susanne Voges trägt den HI-Virus seit 2008 in sich

"Es gibt keinen Grund zur Entwarnung!" Das ist die zentrale Botschaft des heutigen Welt-Aids-Tages. Zwar gibt es in Deutschland nach drei Jahrzehnten Aids-Prävention deutliche Fortschritte, aber noch immer sind hierzulande 80.000 Menschen mit HIV infiziert - etwa 14.000 von ihnen wissen gar nicht, dass sie den Erreger in sich tragen.

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Seit 2008 ist Susanne Voges HIV-positiv, angesteckt hat sich die 34-Jährige wohl durch einen One-Night-Stand. Danach änderte sich ihr Leben schlagartig - auch der Umgang mit ihren drei Kindern. "Ich habe sie erstmal nicht mehr angefasst, nicht mehr gekuschelt, keinen Gute-Nacht-Kuss gegeben; ich hätte sie beinahe weggegeben, weil ich dachte: Du steckst sie halt an", erzählt Voges.

Dabei wird HIV in erster Linie durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Das Virus kann zum Ausbruch der tödlichen Immunschwächekrankheit Aids führen. Medikamente können den Verlauf aber verzögern oder gar verhindern. "Seit circa 15, fast 20 Jahren gibt es zwar ganz gute Medikamente gegen HIV, aber die Nebenwirkungsrate war doch noch sehr hoch, da sind deutliche Verbesserungen erzielt worden", sagt der Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht.

Bessere Medikamente dürfen nicht zu Leichtsinn führen

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr mit 3.200 Fällen zwar leicht gesunken - doch 550 Menschen sind 2013 immer noch an Aids gestorben. "Prinzipiell kann man sagen, dass die Lebenserwartung eines HIV-Infizierten heute unter dieser Medikation nicht kleiner oder nicht kürzer ist", so Specht. "Insofern ein ganz ganz großer Fortschritt, der aber leider auch dazu geführt hat, dass viele junge Menschen heute glauben, HIV wäre so gut behandelbar, man müsse sich nicht mehr davor schützen."

Ein fataler Irrtum, über den auch Susanne Voges Jugendliche bei regelmäßigen Besuchen in Schulen aufklärt. "Man bekommt in diesen Gesprächen dann eben mit, dass gut ein Viertel von ihnen schon einmal Sex hatte - aber manche von ihnen wissen nicht einmal, wie sie ein Kondom überhaupt öffnen." Bislang ist Aids bei Susanne Voges noch nicht ausgebrochen. Doch die Angst, dass es passiert, wird sie ihr Leben lang begleiten.