Bettina Wulff im Zeugenstand: "Es ist ein Geben und Nehmen"

Version der Verteidigung unterstützt

Ihre Aussage wurde mit Spannung erwartet. Bettina Wulff, die Noch-Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, hat im Korruptionsprozess gegen ihren Gatten ausgesagt. Dabei hat sie die Version der Verteidigung unterstützt.

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Bettina Wulff vor Gericht - Korruptionsprozess
Bettina Wulff verlässt mit Rechtsanwalt Andreas Brinkmann das Landgericht in Hannover. © dpa, Julian Stratenschulte

Sie schilderte die Beziehung zwischen ihrem Mann und dem mitangeklagten Filmunternehmer David Groenewold vor dem Landgericht Hannover als enge Freundschaft. Bei gemeinsamen Essen habe mal der eine, mal der andere gezahlt. "Wichtig ist, dass es ein Geben und Nehmen ist. Ich denke, das hat sich die Waage gehalten", sagte die 40-Jährige. Auf die Frage des Richters nach der Bezahlung eines gemeinsamen Oktoberfestbesuchs 2008 antwortete Wulff, sie habe die Rechnung nicht gesehen und auch nicht explizit danach gefragt. Geschäftliche Dinge seien nicht in ihrem Beisein besprochen worden.

Bei der Angabe ihrer Personalien zu Beginn ihrer etwa einstündigen Vernehmung sagte Wulff, sie sei verheiratet und lebe getrennt von ihrem Mann. Mit Christian Wulff sei sie weiterhin "sehr freundschaftlich verbunden", man sehe sich regelmäßig und telefoniere häufig. Das Verhältnis gehe über die Rolle als Vater und Mutter hinaus. Das Paar hat einen gemeinsamen kleinen Sohn. Als Beruf gab Bettina Wulff PR-Beraterin an.

Groenewold habe zum engsten Freundeskreis gehört. Der Filmunternehmer habe bei ihrer Hochzeit "eine wunderbare Rede" gehalten und sie bei der Geburt ihres Sohnes im Krankenhaus besucht. Sie beschrieb Groenewold als umtriebigen Menschen, als einen, der immer schaue, dass es allen anderen in seiner Umgebung gutgehe und ständig "unter positivem Strom" stehe.

Wulff hat Aversion gegen Kreditkarten

Mit seiner sehr extrovertierten und fröhlichen Art habe Groenewold sich sehr gut mit ihrem Mann ergänzt. "Sie wissen schon, was ich meine", fügte Bettina Wulff hinzu. Ihr Mann habe nie über die Stränge geschlagen und trinke so gut wie nie Alkohol. Auf die Frage des Richters nach den Bezahlgewohnheiten von Christian Wulff beschrieb seine Frau dessen Aversion gegen Kreditkarten. Er habe immer eine gewisse Menge Bargeld in der Tasche, um seine Rechnungen zu begleichen. Dabei könne es sich schon mal um einige Hundert-Euro-Scheine handeln.

Christian Wulff wirkte während der Aussage gelöst und lächelte seine Frau hin und wieder an. Zu Prozessbeginn vor vier Wochen hatte Wulff betont, er habe sich nicht durch Gefälligkeiten seines Freundes in seinen Amtsgeschäften beeinflussen lassen. Der Prozess soll klären, ob der wegen Vorteilsnahme angeklagte Filmunternehmer dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gefälligkeiten zuteilwerden ließ, um sich nützliche Amtshandlungen zu sichern. Wulff will seinen Ruf durch einen Freispruch wiederherstellen lassen. Das Angebot der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen eine Geldbuße von 20.000 Euro einzustellen, hat er abgelehnt.

Groenewold soll anlässlich eines Besuchs der Münchner Wiesn im Jahr 2008 für Wulff und dessen Familie die Kosten für Hotel und Kinderbetreuung von insgesamt 510 Euro übernommen haben. Hinzu kommen die Rechnung für ein Abendessen über 209,40 Euro sowie ein Festzeltbesuch mit weiteren Personen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sollte Wulff damit motiviert werden, sich als Ministerpräsident bei Siemens für eine Unterstützung bei der Vermarktung des Films 'John Rabe' einzusetzen. Zeitnah zum Oktoberfest soll Groenewold eine entsprechende Bitte an Wulf gerichtet haben. Wulff soll dem nachgekommen sein, indem er in einem Brief an den damaligen Siemens-Chef Peter Löscher für das Filmprojekt warb. Wulff bestreitet einen Zusammenhang mit dem Oktoberfestbesuch. Er sieht sich von der Staatsanwaltschaft zu Unrecht beschuldigt. Den Vorwurf der Bestechlichkeit sieht er als "ehrabschneidend" an.

Für den Prozess sind Verhandlungstage bis Anfang April angesetzt. Für nächsten Donnerstag hat Richter Frank Rosenow eine Zwischenbilanz angekündigt. Diese solle sich auf die Frage des Vorteils konzentrieren, sagte der Richter. Beobachter gehen davon aus, dass der Prozess dadurch verkürzt werden soll.


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