Bevölkerungswachstum: 40 Prozent der Schwangerschaften sind ungewollt

10.07.2013 | 17:12
Bevölkerungsexplosion Die Bevölkerung in Afrika wächst und deshalb werden mehr und mehr Afrikaner ihr Heil in der Flucht nach Europa suchen.

Der Schlüssel zur Lösung des Bevölkerungsproblems liegt in Aufklärung und Verhütung

Es werden immer mehr und mehr und mehr: Momentan leben fast 7,2 Milliarden Menschen auf der Erde. 44 Prozent davon sind jünger als 25 Jahre. Das ist die größte Jugendgeneration aller Zeiten. Diese Zahlen legte die Stiftung Weltbevölkerung mit Sitz in Hannover anlässlich des Weltbevölkerungstages am 11. Juli vor. In Afrika, südlich der Sahara, wächst die Bevölkerung am schnellsten. In der ärmsten Region der Erde wird sich die Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts vervierfachen. Anstatt 900 Millionen Menschen werden dann dort voraussichtlich 3,8 Milliarden Menschen leben.

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Die Bevölkerung wächst nahezu ausschließlich in Entwicklungsländern, berichtet der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen. Je ärmer ein Land ist, desto mehr Wachstum wird erwartet. 40 Prozent aller Schwangerschaften weltweit seien allerdings ungewollt. Die Gründe hierfür sind vielseitig. Die Menschen haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln, sie sind nicht aufgeklärt, Frauen sind nicht gleichberechtigt. "Wir müssen gerade junge Frauen dazu in die Lage versetzen, selbst zu bestimmen, wann und wie viele Kinder sie bekommen", erklärte Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung.

Laut Zahlen der Stiftung wächst die Zahl der Menschen jährlich um rund 83 Millionen. Das sind etwa so viele Menschen, wie Deutschland Einwohner hat. In den Entwicklungsländern gebe es pro Jahr 75 Millionen ungewollte Schwangerschaften. Es sei also wichtig, die Frauen aufzuklären und ihnen Verhütungsmöglichkeiten zu geben. Das ist also der Schlüssel, das Wachstum der Erdbevölkerung zu bremsen. "In Entwicklungsländern hat nach wie vor jede vierte Frau, die gerne verhüten möchte, keine Möglichkeit dazu - das sind mehr als 220 Millionen Frauen", stellte Bähr fest.

Es gibt eben so viele Übergewichtige wie Hungernde

Wenn man allen Frauen, die verhüten wollen, auch die Möglichkeit dazu gibt, würden Kosten in Höhe von 8,1 Milliarden US-Dollar entstehen. Das sind 4,1 Milliarden mehr, als zurzeit eingesetzt werden. "Investitionen in freiwillige Familienplanung und Gesundheitsversorgung tragen nachweislich zur Verringerung von Armut und Hunger bei", sagte Bähr. "Es ist höchste Zeit zu handeln."

Während in Entwicklungsländern das Bevölkerungswachstum ein Problem darstellt, gibt es in den Industrienationen ein gegensätzliches Problem. In vielen westlichen Ländern schrumpft die Bevölkerung. Bis zur Jahrhundertwende soll Europa 14 Prozent seiner Einwohner verlieren. "Fast alle entwickelten Länder kämpfen mit einem Bevölkerungsrückgang. Aber man kann darauf reagieren. Und einige Länder machen das sehr gut, etwa Dänemark, Frankreich und Schweden", sagte Babatunde Osotimehin. Er ist der Chef des UN-Bevölkerungsfonds. "Der entscheidende Punkt ist die Gesellschaft. Kann sie Frauen zum Kinderkriegen ermutigen, ihr aber trotzdem die gleichen Karrierechancen einräumen wie den Männern?", sagte der Nigerianer. "Das kann nicht die Politik, das kann nur die Gesellschaft. Aber die Politik kann steuern."

Der Bevölkerungsrückgang ist nicht das einzige Problem der Industrienationen. Viele Menschen in den reichen Ländern sind übergewichtig. Während 1,4 Milliarden Menschen auf der Welt hungern, haben ebenso viele Übergewicht, teilte die UN mit. Mehr als jeder dritte der Übergewichtigen gelte sogar als fettleibig. Das Übergewicht wird für zahlreiche Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herzkrankheiten verantwortlich gemacht.

Bildquelle: dpa bildfunk