'Bild' widerspricht Wulff - Kritik hält an

Präsident weiter unter Druck

Bundespräsident Christian Wulff hat sich erklärt, ob ihm mit seinen Einlassungen der erhoffte Befreiungsschlag gelungen ist, darf bezweifelt werden. Die 'Bild'-Zeitung hat der Aussage des Staatsoberhauptes widersprochen, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu seiner Hausfinanzierung nicht verhindern wollen. Dies berichtet der Deutschlandfunk. "Den Satz von Herrn Bundespräsident Wulff, ich wollte die Berichterstattung nicht verhindern, das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen", sagte der stellvertretende 'Bild'-Chefredakteur Nikolaus Blome dem Sender.

- Anzeige -
'Bild' widerspricht Wulff - Kritik hält an
Bundespräsident Wulff steht weiter unter Druck © dpa, Bundespressekonferenz

Blome bezeichnete demnach die auf der Mailbox von Diekmann hinterlassene Nachricht als "große Dummheit". Er erklärte: "Und es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden. Und wenn Sie das jetzt als Drohung bezeichnen oder auch nicht, das sei mal dahingestellt. Das ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Aber klar war das Ziel dieses Anrufs, die Absicht und das Motiv - nämlich: Die Berichterstattung, diesen ersten Breaking-Bericht über die Finanzierung seines privaten Hauses zu unterbinden."

Unterdessen wurde der Fernsehauftritt Wulffs von der der schwarz-gelben Koalition mit Erleichterung aufgenommen. "Ich bin sicher, dass Christian Wulff damit erfolgreich Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen wird", erklärte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Aus der FDP hieß es, es sei gut, dass Wulff zu den Vorwürfen Stellung genommen und Fehler eingeräumt habe. "Das war ein wichtiger Schritt", sagte der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring.

Opposition sieht weiter Aufklärungsbedarf

SPD, Linke und Grüne sehen hingegen weiteren Aufklärungsbedarf. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte Kanzlerin Angela Merkel auf, Wulffs Eignung für das höchste Staatsamt zu überprüfen. "Das ist keine Causa Wulff mehr, das ist eine Causa Merkel." Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil sagte: "Es bleiben Fragen offen, die aufgeklärt werden müssen."

Auch die Grünen bezweifeln, dass die Kanzlerin mit der Erklärung Wulffs zufrieden sein könne. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke sagte: "Wir erwarten, dass sie dazu Stellung nimmt." Merkel hatte vor dem Interview erklären lassen, dass sie Wulffs Arbeit nach wie vor schätze. Sie vertraue auf umfassende Antworten Wulffs.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast übte ebenfalls Kritik. "Wulff hat nur über seine Gefühle geredet, aber keine der Fragen beantwortet, die das Land beschäftigen", sagte Künast der 'Bild' einem Vorabbericht zufolge. "Niemand weiß, wie oft und wofür sich dieser Präsident noch wird entschuldigen müssen."

Der Bundespräsident hatte ungeachtet des verheerenden Medienechos einen Rücktritt abgelehnt. Im Interview bei ARD und ZDF räumte er aber Fehler und Versäumnisse ein. So sei der Drohanruf bei 'Bild'-Chefredakteur Diekmann "ein schwerer Fehler" gewesen. Das Blatt hatte vor drei Wochen zuerst über die Umstände des Hauskredits im Wert von einer halben Million Euro berichtet.

Der Präsident muss sich gegen Vorwürfe wehren, beim Kauf eines Eigenheimes als Ministerpräsident die genauen Umstände der Kreditaufnahme verschwiegen zu haben. Im Interview wies er den Vorwurf zurück, er informiere die Öffentlichkeit per Salami-Taktik. Wulff kündigte an, dass die Antworten seiner Anwälte auf etwa 400 Anfragen von Journalisten im Detail im Internet veröffentlicht würden.