Bildungsexpertin will Hausaufgaben abschaffen

"Hausaufgaben alten Stils zementieren soziale Ungleichheit"

Dieser Vorschlag dürfte Diskussionen auslösen: Hausaufgaben sollten abgeschafft werden. Das findet die Bildungsexpertin Jutta Allmendinger. Es sei viel besser, den Lernstoff im Unterricht selbst in kleinen Gruppen zusammen mit dem Lehrer noch einmal durchzuarbeiten, sagte sie.

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Bildungsexpertin will Hausaufgaben abschaffen
Bildungsexpertin Jutta Allmendinger findet: Hausaufgaben bedeuten weniger Chancengleichheit. © dpa, Peer Grimm

Voraussetzung dafür sei die Umwandlung aller Schulen in Ganztagsschulen.

"Hausaufgaben alten Stils zementieren soziale Ungleichheit", sagte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Studien hätten gezeigt, dass viele Eltern den gesamten Lernstoff mit ihren Kindern durcharbeiteten. Kinder, deren Eltern das nicht leisten könnten, gerieten ins Hintertreffen.

Voraussetzung: Einführung von Ganztagsschulen

Dass sich viele Eltern so massiv einbringen, hat nach Überzeugung von Allmendinger nicht nur mit der gestiegenen Bedeutung einer erfolgreichen Schulausbildung zu tun. "Die Hausaufgaben werden in gewisser Weise zu einem neuen Kommunikationsmedium zwischen Eltern und Kindern, zu einer neuen Art von Vergemeinschaftung. Weil man ja sonst viel weniger Zeit miteinander verbringt"

Um mehr Chancengleichheit zu schaffen, fordert Allmendinger neben Ganztagsschulen ein längeres gemeinsames Lernen mindestens bis zum Alter von 14 Jahren. Am wichtigsten sei jedoch ein flächendeckender Ausbau von Kindertagesstätten. Ohne den Kita-Besuch gerieten Kinder aus sozial schwachen Familien schon in den ersten Lebensjahren in einen massiven Entwicklungsrückstand. Leider treffe für Deutschland immer noch der Satz zu: "Einmal arm - immer arm."