Bisons im Rothaargebirge: Wisente wildern wieder in deutschen Wäldern

Keine Gefahr für den Menschen

Erstmals seit Jahrhunderten leben Wisente wieder frei in einem deutschen Wald. Die mächtigen Bisons wurden im Rothaargebirge in die Freiheit entlassen. Die acht Tiere waren drei Jahre lang in einem umzäunten Gehege nahe Bad Berleburg auf ihre Auswilderung vorbereitet worden. Nun wurde ein erstes Stück des vier Kilometer langen Zauns um das Gehege geöffnet.

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Wisente Auswilderung Rothaargebirge
Wisente gehören zu den ältesten Rinderarten der Welt - in den 20er Jahren wurden sie fast ausgerottet. © dpa, Patrick Pleul

Experten gehen davon aus, dass die Tiere künftig auf einem Gebiet von 2.000 bis 3.000 Hektar herumstreifen werden. An ihrer bekannten Futterstelle sollen sie im Winter weiterhin von einem Ranger versorgt werden. Der Bürgermeister von Bad Berleburg, Bernd Fuhrmann, sagte, durch die Freilassung werde es für Menschen keine Gefahr geben. "Wisente sind zwar groß und mächtig, aber auch friedliebend und scheu." Und Ranger Jochen Born erklärte: "Wir haben sie darauf trainiert, dass sie sich zurückziehen, wenn etwas Fremdes auftaucht."

Der Wisent ist ein Wiederkäuer und ernährt sich ausschließlich vegetarisch. Die erste Idee zur Wiederansiedlung der größten und schwersten Landsäugetiere Europas hatte Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Der 76-Jährige stellt extra seine Ländereien für die Auswilderung zur Verfügung.

Eine Tonne schwer und zwei Meter hoch

Bei der Herde handelt es sich um einen Bullen, fünf Kühen und zwei Jungtieren. Bullen werden bis zu einer Tonne schwer, mehr als zwei Meter hoch und drei Meter lang. Wisente werden bis zu 24 Jahre alt, Bullen sterben im Schnitt aber schon mit 16 Jahren. Die uralte Spezies graste schon vor Millionen Jahren auf der Erde. In deutschen Wäldern lebten die Tiere bis ins 18. Jahrhundert. In den 20er Jahren wurden die scheuen Tiere durch Krieg, Jagd und zerstörtem Lebensraum fast ausgerottet. Erst 2011 stieg der Bestand in Europa wieder auf rund 4.600 Tiere.

"Ein spannendes und mutiges Projekt" nennt der Geoökologe Michael Brombacher von der Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt die Auswilderung. Es sei vor allem wichtig, dem Mensch die Angst vor wilden Tieren zu nehmen - "das scheint hier aber bedacht zu sein". Auch der WWF lobt die Freisetzung einer der ältesten bekannten Rinderarten als "nachhaltig durchdacht". Damit erhalte Deutschland ein Stück biologische Vielfalt zurück. Bis zum Herbst will der Verband prüfen, in welchen deutschen Wäldern Wisente noch langfristig wieder angesiedelt werden könnten. Auch die großflächige Rückkehr von Elch, Wolf und Luchs sei wünschenswert - und eine der größten Herausforderungen für den Naturschutz in Deutschland, teilte der Verband mit.

Deutschland könne sich durch das Wisent-Projekt auch international glaubwürdiger für den Artenschutz einsetzen, sagte Uwe Riecken vom Bundesamt für Naturschutz. "Wenn wir den Schutz von Nashörnern in Ostafrika einfordern, dann müssen wir uns auch fragen, wie wir hier mit dem Artenschutz umgehen."


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