"Bitte weine nicht. Ich liebe dich" – Rejhaneh Dschabbaris letzte Botschaft an ihre Mutter

Rejhaneh Dschabbari schrieb in ihrem Testament eine letzte emotionale Botschaft an ihre Mutter.
Rejhaneh Dschabbari in den Armen ihrer Mutter: Die 26-Jährige ist im Iran hingerichtet worden.

"So geht es mit meinem geliebten Kind zu Ende?"

Das Schicksal der Rejhaneh Dschabbari hat international für Aufregung gesorgt: Die 26-Jährige ist im Iran hingerichtet worden, weil sie ihren mutmaßlichen Vergewaltiger mit einem Messer getötet hatte. Vor ihrem Tod hielt die junge Frau in ihrem letzten Willen noch eine emotionale Botschaft an ihre Mutter fest, wie die 'Daily Mail' berichtet. "Bitte weine nicht. Ich liebe dich", heißt es Dschabbaris Testament. "Ich wünschte, ich hätte dich für immer umarmen können."

- Anzeige -

Sie wolle nicht in einem Grab beerdigt werden, wo ihre Mutter dann weinen und leiden werde, heißt es laut Bericht weiter in dem Testament. "Ich möchte nicht in der Erde verrotten." Laut 'Sunday Times' soll Dschabbari darüber hinaus darum gebeten haben, dass ihre Organe nach dem Tod anonym gespendet würden.

Dschabbaris Mutter sei in verstörtem Zustand vor dem Radschaei-Schahr-Gefängnis nahe Teheran gesehen worden, wo ihre Tochter gehängt worden war, so die 'Daily Mail'. Hier hatte sie Dschabbari am Freitag zum letzten Mal gesehen. Die Mutter machte ihrer tiefen Trauer um den Tod der Tochter jetzt auf Facebook Luft: "Nach siebeneinhalb Jahren voll Schmerz und Leiden, geht es mit meinem geliebten Kind so zu Ende?" Kinderfotos etwa mit der Aufschrift "Rest in Peace Reyhaneh…" halten in dem sozialen Netzwerk die Erinnerung an die junge Frau aufrecht.

Menschenrechtler weisen auf Verfahrensmängel hin

Die Hinrichtung von Dschabbari war trotz heftiger Proteste vollstreckt worden. Die iranische Justiz wollte das verhindern, auch weil der Fall im Ausland für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Aber im Iran gilt bei Totschlag das sogenannte Ghessass-Gesetz, wonach die Familie des Opfers das Recht auf Vergeltung hat. Sie kann dann entweder auf die Hinrichtung bestehen oder den oder die Täter begnadigen. Die Familie des getöteten Mannes lehnte eine Begnadigung mehrfach ab.

Menschenrechtsorganisationen haben darüber hinaus schwere Verfahrensmängel im Fall Dschabbari beklagt. Wichtige Beweise sollen nicht verwendet worden sein. Der UN-Sonderberichterstatter zur Menschenrechtslage im Iran, Ahmed Schahid, hatte sich bereits im April ernsthaft besorgt dazu geäußert, dass Dschabbari kein faires Verfahren erhalten haben könnte. Das Urteil basiere möglicherweise auf durch Folter erzwungenen Geständnissen. Das Opfer soll ein früherer Geheimdienstmitarbeiter gewesen sein.

Deutschland hat auf den Tod der 26-Jährigen reagiert: Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, appellierte an den Iran, "die Vollstreckung weiterer Todesurteile mit sofortiger Wirkung auszusetzen". Die Todesstrafe sei eine unmenschliche, grausame und unmoralische Art der Bestrafung und habe im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr, sagte Strässer laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes.


- Anzeige -