Bizarre Telefonate belasten Costa-Kapitän schwer

Costa-Kapitän: "Nur kleine Störung" Kapitän Schettino kurz nach der Havarie der Costa Concordia im wirren TV-Interview.

"Was meinen Sie, Sie haben das Schiff verlassen?"

Der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes 'Costa Concordia' ist nach Angaben seines Anwalts unter Hausarrest gestellt worden. Francesco Schettino dürfe damit das Gefängnis verlassen, sagte der Notar. Schettino saß in Untersuchungshaft. Den Vorwurf der fahrlässigen Tötung weist er zurück. Mittlerweile wurden Mitschnitte von Telefongesprächen veröffentlicht, in denen sich ein desaströses Bild von Schettinos Handeln bei der Katastrophe zeigt.

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Schettino war von Bord gegangen, noch bevor alle Passagiere und Besatzungsmitglieder das Schiff verlassen konnten. Die Küstenwache auf der italienischen Insel Giglio hat vergeblich versucht, den Kapitän zur Rückkehr auf das kenternde Schiff zu bewegen. Die Zeitung 'Corriere della Serra' veröffentlichte auf ihrer Internetseite den entsprechenden Funkverkehr zwischen der Küstenwache und Kapitän Francesco Schettino, dessen Echtheit jedoch von der Küstenwache nicht bestätigt wurde.

In italienischen Medien wird schon darüber spekuliert, ob Schettino zum Zeitpunkt der Katastrophe unter Drogen stand. Das würde auch dieses prahlerische Interview aus der Nacht des Unglücks erklären: "In so einem dramatischen Augenblick müssen sie handeln und den Überblick behalten, damit die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Ich denke, dass fast alle Passagiere gerettet wurden." Ein fataler Irrtum des Kapitäns, ob bewusst oder unbewusst. Im wichtigsten Moment seiner Laufbahn hat er komplett versagt.

Die Mitschnitte der Telefonate können Sie unten komplett nachlesen.

Die Telefonate zum Nachlesen

Freitag, 21:49 Ortszeit Küstenwache an Kapitän: "Concordia, ist alles ok?" Kapitän Schettino: "Positiv. Wir haben nur eine kleine technische Störung." (Anmerkung der Zeitung 'La Repubblica': Wenig später, nachdem ein Passagier mit der Polizei gesprochen hat, kontaktiert die Hafenaufsicht wieder das Schiff.) Kapitän: "Wir haben bloß ein technisches Problem. Sobald wir es gelöst haben, werden wir Sie kontaktieren." Küstenwache: "Wie viele Menschen sind an Bord?" Kapitän: "Zwei-, dreihundert." (Anmerkung der Zeitung: Es ist wahrscheinlich, dass das Schiff zu diesem Zeitpunkt, 40 Minuten nach dem Evakuierungsbefehl, noch voll besetzt war). "Ich gehe zurück zur Brücke, um nachzuschauen."

Samstag, 00:42 Ortszeit Küstenwache: "Wie viele Menschen müssen (das Schiff) verlassen?" Kapitän: "Ich habe den Eigentümer des Schiffes kontaktiert. Er sagt, dass etwa 40 Menschen vermisst werden." Küstenwache: "Wie kann es sein, dass es nur so wenige Menschen sind? Sind Sie an Bord?" Kapitän: "Nein, ich bin nicht an Bord, weil das Schiff untergeht, wir haben es verlassen." Küstenwache: "Was meinen Sie, Sie haben das Schiff verlassen?" Kapitän: "Nein, nicht verlassen - ich bin hier und koordiniere die Rettungsaktion." Küstenwache: "Was koordinieren Sie da? Weigern Sie sich? Gehen Sie zurück an Bord und koordinieren Sie die Rettungsaktion von dort." Kapitän: "Nein, nein, ich weigere mich nicht."

Samstag, 01:46 Ortszeit Küstenwache: "Da klettern Leute die Leiter am Bug herunter. Kehren Sie um, fahren Sie zum Schiff zurück und sagen mir, wie viele Menschen da sind und was sie an Bord haben. Sagen Sie mir, ob da Kinder und Frauen sind und welche Hilfe sie brauchen. Und Sie sagen mir die Zahlen von jeder Gruppe - verstanden? Hören Sie, Schettino, vielleicht haben Sie sich selbst gerettet, aber ich werde dafür sorgen, dass Sie sehr schlecht aussehen. Ich werde dafür sorgen, dass Sie dafür bezahlen. Verdammt nochmal, gehen Sie zurück an Bord!" Kapitän: "Wie bitte.." Küstenwache: "Nichts mit 'Bitte'. Kehren Sie zurück aufs Schiff. Sagen sie mir verbindlich, das Sie aufs Schiff zurückkehren!" Kapitän: "Ich bin in einem Rettungsboot, ich bin hier unten, ich fahre nirgends hin. Ich bin hier." Küstenwache unterbricht ihn und brüllt ihn an: "Sie gehen zurück an Bord! Das ist ein Befehl! Da gibt es für Sie nichts zu überlegen. Sie haben den Alarm 'Schiff verlassen' ausgelöst. Jetzt gebe ich die Befehle. Gehen Sie zurück an Bord. Ist das klar? Hören Sie mich?" Kapitän: "Ich gehe an Bord." Küstenwache: "Los. Melden Sie sich sofort bei mir, wenn Sie an Bord sind. Meine Einsatzkräfte sind vor dem Bug." Kapitän: "Wo ist Ihr Rettungsboot?" Küstenwache: "Mein Rettungsboot ist am Bug. Los! Es gibt schon Tote, Schettino, machen Sie!" Kapitän: "Wie viele Leichen sind da?" Küstenwache: "Ich weiß es nicht ... Herrgott, Sie sollten derjenige sein, der mir das sagen kann!" Kapitän: "Ist Ihnen eigentlich klar, dass es dunkel ist und wir nichts sehen können?" Küstenwache: "Und, was wollen Sie den tun, nach Hause gehen, Schettino? Es ist dunkel und Sie wollen nach Hause gehen? Fahren Sie zum Bug des Schiffes, wo die Leiter ist, und sagen Sie mir, was zu tun ist, wie viele Personen dort sind, und was sie benötigen! Jetzt!" Kapitän: "Mein Stellvertreter ist bei mir." Küstenwache: "Dann gehen Sie beide! Alle beide! Wie heißt Ihr Stellvertreter?" Kapitän: "Er heißt Dmitri" (Störgerausch) Küstenwache: "Wie heißt er weiter? (Störgeräusch) Sie und Ihr Stellvertreter gehen jetzt an Bord! Ist das klar?" Kapitän: "Hören Sie, Chef, ich will an Bord gehen, aber das andere Rettungsboot hier fährt nicht mehr und treibt ab. Ich habe gerufen..." Küstenwache (unterbricht): "Das erzählen Sie mir jetzt schon seit einer Stunde! Fahren Sie zum Schiff, jetzt! Gehen Sie an Bord und sagen mir sofort, wie viele Personen dort sind!" Kapitän: "Ok, Chef." Küstenwache: "Machen Sie, sofort!"